Der heilige Petrus ist der Fischer aus Galiläa, der zu einem der wichtigsten Zeugen des entstehenden Christentums wurde. Seine Geschichte gleicht keinem zögerlosen Weg zur Heiligkeit. Die Evangelien zeigen einen begeisterten Jünger, der Jesus als den Christus erkennen kann, sich aber auch irrt und ihn im Augenblick der Passion verleugnet. Nach Ostern ergreift Petrus im Namen der Gemeinschaft das Wort, begleitet ihre ersten Auseinandersetzungen und hinterlässt im Gedächtnis der Kirche das Bild der Schlüssel zum Königreich. Die Geschichte seines römischen Martyriums und die damit verbundenen Traditionen vervollständigen dieses Porträt.
| Ursprünglicher Name | Simon, genannt Kephas oder Petrus |
|---|---|
| Zeit | 1. Jahrhundert |
| Orte | Bethsaida, Kafarnaum, Jerusalem und Rom |
| Attribute | Schlüssel, Hahn, Boot und umgekehrtes Kreuz |
| Festtage | 29. Juni mit dem heiligen Paulus; 22. Februar für den Stuhl Petri |
Der Fischer vom See Genezareth
Simon wird in einem jüdischen Umfeld in Galiläa geboren und verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Fischfang. Das Johannesevangelium verbindet ihn mit Bethsaida, während die synoptischen Berichte ihn in der Gegend von Kafarnaum zeigen. Er hat familiäre Bindungen: Auch sein Bruder Andreas wird berufen, Jesus zu folgen. Das Leben am See erfordert kurze Reisen, eine gute Kenntnis der Jahreszeiten und gemeinschaftliche Arbeit. Die ersten Jünger stammen daher nicht aus einer Welt, die von wirtschaftlichen und sozialen Verpflichtungen getrennt ist.
In Lukas 5 lädt Jesus Simon ein, nach einer erfolglosen Arbeitsnacht erneut zum Fischen hinauszufahren. Der plötzliche Fischfang führt ihm seine Grenzen eindringlich vor Augen. Christus richtet daraufhin einen Ruf an ihn, der seinen Beruf zum Bild seiner künftigen Sendung macht. Die Szene ist zu einer der großen Berufungsgeschichten des Neuen Testaments geworden. Sie zeigt außerdem das Vertrauen, das in Simon wachsen muss, selbst wenn die Umstände seiner Erfahrung als Fischer zu widersprechen scheinen.
Seine Namensänderung kennzeichnet diese Verwandlung. Das aramäische Wort Kephas, das in den Briefen des Paulus überliefert ist, wird im Griechischen mit Petros wiedergegeben. Es bedeutet Stein oder Fels. Indem Jesus Simon diesen Namen gibt, überträgt er ihm in den Evangelien eine Sendung, die über den Menschen und seinen Ruf hinausgeht. Der Name Petrus lässt jedoch weder sein Temperament noch seine Zweifel verschwinden: Er schreibt sie in eine Geschichte der Formung ein.
Das Glaubensbekenntnis und die Schlüssel des Königreichs
In Cäsarea Philippi fragt Jesus die Jünger, wie sie seine Identität verstehen. Petrus antwortet, dass er der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, ist. In Matthäus 16 erhält dieses Bekenntnis eine feierliche Antwort: Jesus verbindet Petrus mit dem Aufbau der Kirche und vertraut ihm die Schlüssel des Himmelreichs an. Das Bild der Schlüssel verweist auf die Vollmacht, die zum Dienst an einer Gemeinschaft und zur Entscheidungsfindung in Fragen ihres Lebens übertragen wird.
Aus dieser Stelle stammt die Darstellung des heiligen Petrus mit zwei Schlüsseln, manchmal mit einem goldenen und einem silbernen. Diese Gegenstände werden später zu bedeutenden Sinnbildern der römischen Erinnerung und der päpstlichen Autorität. Ihre Bedeutung darf nicht vom Evangelium losgelöst werden: Die Vollmacht wird von Christus verliehen und bleibt auf das von ihm verkündete Königreich ausgerichtet. Die verschiedenen christlichen Traditionen erkennen die Stellung des Petrus an, deuten jedoch die Fortführung seines Dienstes in Rom nicht alle auf dieselbe Weise.
Matthäus fährt unmittelbar mit der Ankündigung der Passion fort, die Petrus zunächst nicht akzeptieren will. Jesus weist ihn scharf zurecht. Dasselbe Kapitel stellt somit ein lichtvolles Bekenntnis neben ein radikales Unverständnis. Diese Abfolge ist wertvoll, um das Porträt in den Evangelien zu verstehen: Petrus ist nicht derjenige, der sofort alle Konsequenzen der Sendung Christi erfasst.
Die Verleugnung und das Wort der Vergebung
Beim letzten Abendmahl erklärt Petrus, dass er Jesus treu bleiben werde, selbst wenn alle anderen ihn verlassen sollten. Wenige Stunden später leugnet er im Hof, in dem sich ein Teil der Ereignisse der Passion abspielt, dreimal, ihn zu kennen. Darauf erinnert der Hahnenschrei an die Ankündigung Jesu. Die Evangelien berichten von seinen Tränen: Der Mann, der dazu berufen ist, ein Verantwortlicher unter den Jüngern zu werden, erfährt schmerzlich seine eigene Schwäche.
Der Hahn, den man am Fuß mehrerer Statuen des heiligen Petrus sieht, stammt aus dieser Begebenheit. Seine Bedeutung geht über die bloße Erinnerung an einen Fehler hinaus. Er erinnert an die Möglichkeit eines Neubeginns nach dem Scheitern. In Johannes 21 fragt der Auferstandene Petrus nach seiner Liebe und vertraut ihm anschließend die Sorge für seine Schafe an. Der Dialog stellt eine Beziehung wieder her und eröffnet eine pastorale Verantwortung. Er lädt dazu ein, christliche Autorität als empfangenen Dienst zu verstehen, nicht als Belohnung für einen tadellosen Lebensweg.
Die Berichte von der Auferstehung räumen Petrus unter den ersten Zeugen einen wichtigen Platz ein. Sie nennen nicht alle dieselben Einzelheiten, stellen ihn aber ins Zentrum des Übergangs zwischen der Zerstreuung der Jünger nach der Passion und ihrer öffentlichen Verkündigung des lebendigen Christus. Der am See berufene Fischer wird so zu einer zentralen Gestalt des österlichen Gedächtnisses.
Petrus und die Anfänge der Kirche
Die Apostelgeschichte zeigt Petrus, wie er zu Pfingsten die Auferstehung verkündet, vor Menschenmengen das Wort ergreift, Widerständen begegnet und an der Organisation der Jerusalemer Gemeinschaft mitwirkt. Kapitel 10 erzählt von seiner Begegnung mit Kornelius, einem nichtjüdischen Hauptmann. Diese Erzählung wird zu einem wichtigen Orientierungspunkt für das Verständnis der Öffnung der christlichen Botschaft für die Völker. Petrus begleitet nicht mehr nur die aus dem Judentum stammenden Jünger: Er entdeckt die neue Tragweite einer Sendung, die mit anderen Völkern geteilt wird.
Die Briefe des heiligen Paulus bieten eine ergänzende Perspektive auf diese Zeit. Paulus erwähnt Petrus dort unter dem Namen Kephas und berichtet von einer Auseinandersetzung mit ihm in Antiochia über das gemeinsame Mahl mit Gläubigen nichtjüdischer Herkunft. Diese Diskussion zeigt, dass die ersten Gemeinschaften ihr gemeinsames Leben inmitten realer Spannungen gestalten mussten. Die herausragende Stellung des Petrus bewahrte ihn nicht vor diesen Debatten.
Die katholische Tradition sieht in seinem Dienst das Fundament der Sendung der Bischöfe von Rom. Orthodoxe Christen und die Kirchen der Reformation lesen dieselben Texte im Rahmen anderer Auffassungen von kirchlicher Autorität. Die Diskussion betrifft die Art und Weise, wie die apostolische Nachfolge, die Kollegialität der Bischöfe und die besondere Rolle Roms zu verstehen sind.
Der Tod in Rom und das umgekehrte Kreuz
Das christliche Gedächtnis verortet das Martyrium des Petrus zur Zeit Neros in den 60er-Jahren des 1. Jahrhunderts in Rom. Diese alte Tradition ist ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte der römischen Kirche. Die vier Evangelien und die Apostelgeschichte schildern jedoch nicht unmittelbar die Umstände seiner Hinrichtung. Die Zeugnisse über seinen Tod gehören mehreren Generationen von Texten an, die in ihre jeweilige zeitliche Abfolge eingeordnet werden müssen.
Die Erzählung, Petrus habe darum gebeten, mit dem Kopf nach unten gekreuzigt zu werden, erscheint in der mit seinem Martyrium verbundenen apokryphen Tradition und wird von christlichen Autoren aufgegriffen. Das umgekehrte Kreuz des heiligen Petrus stellt daher in der religiösen Kunst die Demut des Jüngers vor seinem Meister dar. Die Bedeutung dieser Form hat sich in anderen, viel späteren Milieus verändert; sie sollte entsprechend dem Zeitpunkt und dem Kontext des Bildes gelesen werden.
Der Petersdom in Rom bewahrt das Gedächtnis an das Grab des Apostels. Seine Bedeutung machte die Stadt zu einem der wichtigsten Orte der Christenheit. Das gemeinsame Fest von Petrus und Paulus am 29. Juni erinnert an die Verbindung dieser beiden Gestalten im römischen apostolischen Gedächtnis, trotz der Unterschiede ihrer Lebenswege.
Den heiligen Petrus in Bildern erkennen
Petrus wird gewöhnlich als reifer Mann mit kurzem Bart und ergrautem Haar dargestellt. Dieses Erscheinungsbild beruht auf einer ikonografischen Tradition und nicht auf einem von direkten Zeugen überlieferten Porträt. Die Schlüssel machen ihn sofort erkennbar. Das Boot und die Fische verweisen auf seine erste Berufung; der Hahn erinnert an die Verleugnung; das Buch steht für seinen Auftrag zur Lehre und Verkündigung.
In den Gemäldezyklen über die Apostel stellen Künstler ihn gemeinsam mit dem heiligen Paulus dar. Der Erste trägt die Schlüssel, der Zweite das Schwert. Dieses Paar hat in der christlichen Architektur und Kunst eine starke Bedeutung erlangt, da es pastorale Autorität, die Verkündigung unter den Völkern und die Erinnerung an das Martyrium miteinander verbindet. Ihre Wege dürfen nicht verwechselt werden, doch ihre Festtage bringen sie einander nahe.
Am 22. Februar feiert die katholische Kirche den Stuhl Petri, der an die mit dem Apostel verbundene Aufgabe der Lehre und der pastoralen Leitung erinnert. Am 29. Juni feiert sie Petrus gemeinsam mit Paulus. Wer Johannes 21 und Matthäus 16 liest, kann entdecken, was im Kern seiner Gestalt liegt: eine empfangene Sendung, eine erprobte Liebe und eine Treue, die sich nach dem Scheitern wieder aufbaut.
Abbildung: El Greco, Der heilige Petrus, Beginn des 17. Jahrhunderts, Reproduktion eines gemeinfreien Gemäldes.
Quellen und Literaturhinweise
Evangelien: Lukas 5, die Berufung Simons; Matthäus 16, Bekenntnis und Schlüssel; Johannes 21, pastorale Sendung.
Apostelgeschichte und Briefe: Apostelgeschichte 10, Kornelius; Galater 2, Beziehungen zwischen Petrus und Paulus.
Benedikt XVI., Petrus, der Fischer (17. Mai 2006), Petrus, der Fels (7. Juni 2006) und Der Stuhl Petri (22. Februar 2006).






























