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La Tonka, der wahre Glücksbringer-Samen
La Tonka, la véritable graine porte-bonheur

Die Notizbücher von Aeternum

La Tonka, der wahre Glücksbringer-Samen

5 Min. Lesezeit

Die Tonkabohne ist bei uns ein kräftiges, in der Patisserie geschätztes Gewürz mit einem Hauch von Vanille. Ursprünglich brachte ihr Aroma ihr jedoch insbesondere in Südamerika, ihrer Heimat, magische Anwendungen ein. Seitdem wurde sie von Rootwork-Praktizierenden (Arbeit mit Wurzeln) in Traditionen wie Voodoo, Schamanismus, Candomblé oder Hoodoo als kraftvoller Magnet für Glück, Überfluss und die Erfüllung von Wünschen übernommen. Eine Einführung.

Amazonische Ursprünge und indigene Rituale

Die indigenen Völker Südamerikas waren die ersten, die die Geheimnisse der Tonkabohne ergründeten. In ihrem amazonischen Ursprungsgebiet gilt sie seit Langem als natürlicher Glücksbringer: In den lokalen schamanischen und magischen Praktiken wird sie verwendet, um Glück anzuziehen und Wünsche zu erfüllen. Eine alte südamerikanische Legende veranschaulicht diese erhoffte Kraft der Tonkabohne besonders gut: Damit ein Herzenswunsch in Erfüllung geht, soll man eine Tonkabohne in der einen Hand und eine tote Schlange in der anderen halten, seinen Wunsch aussprechen, anschließend die Bohne in einen Fluss werfen und die Schlange um den Stamm des Tonkabaums wickeln. Dieses ungewöhnliche Ritual, das vermutlich Eingeweihten vorbehalten war, soll die Saat, das Wasser und den Geist der Schlange symbolisch miteinander verbinden, um den Wunsch in der spirituellen Welt zu besiegeln. Da dieses Vorgehen recht schwierig ist, bevorzugen manche eine vereinfachte Variante: Sie tragen die Bohne einfach in ihrem Portemonnaie als schützendes Amulett und Glücksbringer bei sich.

Die amazonischen Überlieferungen schreiben dem Cumaru-Baum (der Tonka) somit eine heilige Dimension zu. Bei den Tacana in Bolivien glaubt man, dass bösartige Geister in den großen Bäumen des Blätterdachs wie dem Dipteryx odorata (dem wissenschaftlichen Namen des Tonkabaums) wohnen und dass die Annäherung an oder das Fällen dieser Bäume Krankheiten über die Menschen bringen kann. Diese ehrfürchtige Scheu zeugt von dem Respekt, den der Tonkabaum hervorruft: Die von ihm hervorgebrachte Saat erscheint dadurch umso mächtiger und soll Schicksal und Gesundheit beeinflussen können. Gleichzeitig haben andere amazonische Völker die Bohne in ihre Opfergaben und Verzauberungen aufgenommen. Im venezolanischen oder brasilianischen Amazonasgebiet soll das Tragen einer Tonkabohne Erfolg sichern und Unheil fernhalten. Manche ritzten sogar ihren Wunsch direkt in die Oberfläche der Saat, bevor sie sie bei sich trugen, um dessen Erfüllung zu erleben.

Über die Legenden hinaus fand die Tonkabohne auch ganz konkret Eingang in die schamanischen Rituale des Amazonas. Mehrere Stämme, etwa die Huni Kuin (Kaxinawá) oder die Yawanawá in Brasilien, nutzen den Baum und seine Saat zur Herstellung von Rapé, einem heiligen Schnupftabak. Das zu Asche verarbeitete Cumaru-Holz gilt als eine der kraftvollsten Zutaten, um die Teilnehmenden während der Zeremonien spirituell zu erden und zu schützen. Durch die Nase aufgenommen, soll Rapé, der mit Tonkaasche angereichert ist, während Heilungsritualen oder intensiver Meditation den Eintritt in Trance, geistige Klarheit und energetische Reinigung fördern. Die Samen selbst werden getrocknet, zu Pulver zermahlen und den Rapé-Mischungen in kleinen Mengen wegen ihres lieblichen Dufts und ihrer Energie der „Herzöffnung“ zugesetzt. Schamanen sind der Ansicht, dass das warme Aroma der Tonka die intensive Wirkung von Tabak und Asche mildert: Es bringt eine Note von Sanftheit und schützender Wärme in das Erlebnis und gleicht die dabei wirkenden, ursprünglicheren Kräfte aus. Auch unabhängig vom Rapé wurden Tonkabohnen in der Region traditionell zum Aromatisieren von Schnupftabak oder Zigarren verwendet, wodurch sich ihr wohltuender Einfluss vom rituellen Kontext auf den Alltag ausdehnte.

Liebes- und Glückstalismane in afrokaribischen Traditionen

Im Laufe der Zeit gelangte die Tonkabohne durch den kolonialen Austausch in die Karibik und nach Nordamerika, wo sie ganz selbstverständlich ihren Platz in den afrokaribischen und afroamerikanischen Spiritualitäten fand. Von den Franzosen bereits Ende des 18. Jahrhunderts nach Europa eingeführt und anschließend nach Amerika weiterverbreitet, wurde sie insbesondere im Voodoo von New Orleans und im Hoodoo übernommen – dieser Tradition volkstümlicher Magie, die aus der Verbindung afrikanischer Kulturen mit Einflüssen der Neuen Welt entstand. Hoodoo-Praktizierende erkannten schon früh in der Tonka eine bevorzugte Zutat für die Magie der Wünsche und der Liebe. Seit Generationen gehören diese Bohnen (auch „Liebeswunschbohnen“ oder Wunschbohnen genannt) zu den klassischen Zutaten für Zauber des Begehrens: Man verwendet sie, um eine tiefe Absicht zu verwirklichen, Wohlstand anzuziehen oder den Seelenverwandten zu finden. Ihr Ruf ist so groß, dass sie ebenso wie die legendäre John-the-Conqueror-Wurzel als natürliche Gris-Gris gelten, die ihrem Träger Erfolg und Gelingen bringen.

Die Tonkabohne und die Erfüllung von Wünschen

Die Verwendung der Tonkabohne in diesen Traditionen zeigt sich in kleinen, einfachen Ritualen. Eines der verbreitetsten ist das Siebentageritual, das der Erfüllung eines Wunsches dient – in der Regel eines Liebeswunsches. Dabei trägt man eine Woche lang mehrere Tonkabohnen bei sich: Traditionell nimmt man je nach Bedeutung und Art des Wunsches 3, 5 oder 7 Bohnen und trägt anschließend jeden Tag eine bei sich, und zwar über die entsprechende Anzahl an Tagen. Jeden Morgen hält die Person eine neue Bohne in der Hand, spricht ihren Wunsch voller Inbrunst aus (eine neue, aufrichtige Liebe zu finden, die Leidenschaft in der Beziehung neu zu entfachen oder ein Hindernis für die ersehnte Verbindung zu beseitigen) und trägt die Saat den ganzen Tag über bei sich – in der Tasche oder als Anhänger. Nachts legt sie sie unter das Kopfkissen, damit der Wunsch auch ihre Träume durchdringt. Am letzten Tag begibt man sich dem Brauch entsprechend bei Sonnenaufgang in die Nähe eines fließenden Gewässers (eines Flusses oder Bachs) und wirft alle Bohnen über die linke Schulter in die Strömung, nachdem man die spirituellen Kräfte angerufen hat. Anschließend muss man sich entfernen, ohne zurückzublicken – als Zeichen des absoluten Vertrauens in die Erfüllung des Wunsches. Wurde das Ritual in gutem Glauben und ohne anderen zu schaden durchgeführt, sollte der Wunsch innerhalb der folgenden sieben Tage erste Formen annehmen. Dieses kleine Zeremoniell, das Hingabe und Symbolik miteinander verbindet, zeigt deutlich, welche Bedeutung der Tonka als Katalysator für intentionale Magie beigemessen wird.

Über die Wünsche hinaus ist die Tonkabohne im Voodoo und Hoodoo eng mit der Liebesmagie verbunden. Man findet sie in zahlreichen Rezepturen für Mojo Bags, die zusammengestellt werden, um den Seelenverwandten anzuziehen oder eine bestehende Beziehung zu festigen. Man kann eine Bohne zusammen mit Kräutern und Anziehungswurzeln in einen roten Beutel legen, um ein Liebes-Gris-Gris zu schaffen, das man bei sich trägt – seine Energie soll bei der begehrten Person Gefühle von Zuneigung und Sinnlichkeit wecken. Ebenso gehört das Verbrennen einer zu Pulver zermahlenen Tonkabohne auf glühender Kohle, allein oder vermischt mit Benzoe-Räucherwerk, zu den Beschwörungsräucherungen, mit denen liebevolle und glückbringende Energien angezogen werden sollen. Auch im Bereich des materiellen Glücks steht die Tonka nicht zurück: In der volkstümlichen Magie ist es üblich, eine Tonkabohne in die Geldbörse oder die Kasse zu legen, um einen stetigen Zustrom von Geld und finanziellen Möglichkeiten zu sichern. Ihre Kraft des Überflusses soll sich somit auch auf den wirtschaftlichen Wohlstand erstrecken. Offenbar wohnt diesen kleinen schwarzen Samen eine beinahe magnetische Anziehungskraft inne …

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