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Wer war Papus wirklich?
Portrait authentique du docteur Gérard Encausse dit Papus par Auguste-Émile Deslandes, 1899 — Aeternum, blog & boutique ésotérique

Die Notizbücher von Aeternum

Wer war Papus wirklich?

21 Min. Lesezeit

Gérard Encausse, besser bekannt unter dem Pseudonym Papus, ist eine der großen Gestalten des französischen Okkultismus vom Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts. Als Arzt, Autor, Zeitschriftenleiter, Organisator initiatischer Gruppen und Gründer des Martinistenordens nimmt er eine zentrale Stellung in der esoterischen Erneuerung der Belle Époque ein. Sein Einfluss beruht nicht nur auf seinen Lehren, sondern auch auf seiner außergewöhnlichen Fähigkeit, Netzwerke, Zeitschriften, Schulen, Verlage und Strukturen zur Weitergabe von Wissen aufzubauen.

Um Papus bildete sich schon früh eine wahre initiatische Legende. Man bezeichnete ihn als Großmeister zahlreicher Geheimgesellschaften, als okkulten Berater von Nikolaus II., als Arzt der kaiserlichen Familie, als Beschwörer der Toten in Zarskoje Selo oder als Gegenspieler Rasputins. Ein Teil dieser Erzählungen stammt von seinen Schülern und seiner Familie, ein anderer aus der Presse. Sie sind nicht alle gleichermaßen belegt, doch sie sagen etwas sehr Reales aus: Für seine Zeitgenossen erschien Papus als ein Mann, der sich zwischen Medizin, Politik, Initiationsgesellschaften und der unsichtbaren Welt bewegen konnte.

Die Bibliothèque nationale de France legt eine gesicherte Chronologie zugrunde: Gérard Encausse wird am 13. Juli 1865 in Spanien geboren und stirbt am 25. Oktober 1916 in Paris. Sie beschreibt ihn als Arzt und Okkultisten, als Gründer des Martinistenordens und als Gründer der Zeitschrift L’Initiation im Jahr 1888. Auf dieser Grundlage ermöglichen es gedruckte Archive, einen weitaus reicheren Lebensweg zu rekonstruieren als den eines bloßen „Pariser Magiers“.

Eine Geburt in La Coruña und eine Pariser Kindheit

Gérard Anaclet Vincent Encausse wird am 13. Juli 1865 in La Coruña in Galicien geboren. Sein Vater ist Franzose und seine Mutter Spanierin. Die Familie lässt sich später in Paris nieder, wo Gérard den größten Teil seiner Jugend verbringt.

Diese doppelte französisch-spanische Herkunft bleibt ein Bestandteil seiner Identität, doch ausgebildet wird er in Paris. Die Hauptstadt des späten 19. Jahrhunderts bietet jedem, der sich für Medizin, Magnetismus, Spiritismus, Theosophie, die Kabbala und Initiationsgesellschaften interessiert, ein außergewöhnliches Umfeld.

Encausse wächst in einer Zeit auf, in der die Grenzen zwischen psychischer Forschung, Randmedizin, Magnetismus, Religionsphilosophie und Okkultismus noch durchlässig sind. Hypnoseexperimente werden kontrovers diskutiert, Gesellschaften zur Erforschung psychischer Phänomene entstehen zahlreich, der Spiritismus von Allan Kardec verfügt bereits über ein großes Publikum, und die Werke von Éliphas Lévi werden intensiv neu gelesen. Dieser Kontext erklärt den doppelten Weg, den er schon früh einschlägt: Medizin auf der einen Seite, das Studium des Okkultismus auf der anderen.

Gérard Encausse nimmt in den 1880er-Jahren den Namen Papus an. Dieses Pseudonym ist dem Nuctéméron entlehnt, einem Apollonios von Tyana zugeschriebenen Text, der in okkultistischen Kreisen durch Éliphas Lévi bekannt gemacht wurde.

In den esoterischen Ausgaben dieses Textes wird Papus als eines der mit den Stunden verbundenen Genien dargestellt. Die französische okkultistische Tradition bringt ihn mit der Medizin in Verbindung, was die besondere Anziehungskraft dieses Namens auf Encausse erklärt, der bereits ein Medizinstudium begonnen hatte.

Das Pseudonym funktioniert auch als öffentliche Identität. Gérard Encausse unterzeichnet seine medizinischen Texte mit seinem bürgerlichen Namen, während Papus zunehmend zur Signatur wird, unter der seine bedeutenden okkultistischen Werke erscheinen.

Diese Trennung ist niemals vollständig: Der Arzt und der Okkultist arbeiten parallel, und Papus wird sein ganzes Leben lang versuchen, seine esoterischen Forschungen als mit einer methodischen Betrachtung des Körpers und der Natur vereinbar darzustellen.

Noch bevor er promoviert, veröffentlicht Gérard Encausse bereits eigene Schriften. Die BnF bewahrt seit 1884 einen Text mit dem Titel Hypothesen auf. Mitte der 1880er-Jahre engagiert er sich zunehmend in den Netzwerken, die sich dem Okkultismus widmen.

1887 erscheint Der zeitgenössische Okkultismus, ein Werk über Louis Lucas, Wroński, Éliphas Lévi, Saint-Yves d’Alveydre und Helena Blavatsky. Die Wahl dieser Persönlichkeiten zeigt bereits sein Vorhaben: eine zeitgenössische Genealogie der okkulten Wissenschaft zu erstellen und Verbindungen zwischen mehreren Schulen zu schaffen.

1888 veröffentlicht er Elementare Abhandlung über die okkulte Wissenschaft, deren Untertitel verspricht, den Leser in die Lage zu versetzen, die von den Alten, den Alchemisten und den Freimaurern verwendeten Theorien und Symbole zu verstehen. Dieser Wille zur Popularisierung wird zu einem seiner wichtigsten Merkmale. Papus schreibt nicht für eine kleine, abgeschottete Elite. Er will die Lehren ordnen, sie verständlich machen und der Öffentlichkeit Methoden zur Klassifizierung an die Hand geben.

Der Einfluss von Éliphas Lévi

Das Werk von Éliphas Lévi spielt eine wichtige Rolle bei der Prägung von Papus. Lévi liefert ihm ein Vokabular der Magie, eine Tarotdeutung, eine Theorie der Entsprechungen und vor allem die Vorstellung, dass der Okkultismus eine allgemeine Disziplin bilden kann, die mehrere Traditionen vereint.

Papus widmet ihm Texte und trägt dazu bei, Lévi als einen der großen Vorläufer des modernen französischen Okkultismus zu etablieren. Er übernimmt auch dessen Tendenz, Symbole als Fragmente einer verlorenen und später rekonstruierten allgemeinen Wissenschaft zu lesen.

Er begnügt sich jedoch nicht damit, Lévi nachzuahmen. Papus fügt eine stark ausgeprägte Vorliebe für Klassifikationen, Schemata, Tabellen und systematische Entsprechungen hinzu. Seine Bücher ähneln Handbüchern, die dazu bestimmt sind, ein Gebiet zu ordnen, das er für zu zersplittert hält. Dieser Ansatz erklärt seine außerordentliche verlegerische Produktivität. Ein und dieselbe Frage kann in einem Handbuch, einer Broschüre, einem Vortrag, einem Zeitschriftenartikel und einem Kurs behandelt werden.

Ende der 1880er-Jahre beteiligt sich Papus am französischen Zweig der Theosophischen Gesellschaft. Die BnF bewahrt insbesondere eine Broschüre von 1888 mit dem Titel Fabre d’Olivet et Saint-Yves d’Alveydre auf, die in den « Veröffentlichungen der Isis, französischer Zweig der Theosophischen Gesellschaft » erschien. Diese Zugehörigkeit ist wichtig, dauert jedoch nicht an. Papus entfernt sich allmählich von der Theosophischen Gesellschaft und der von Helena Blavatsky vorgegebenen Ausrichtung auf die Erforschung asiatischer Traditionen. Stattdessen möchte er eine westliche Schule wiederaufbauen, die auf Hermetismus, christlicher Kabbala, Éliphas Lévi, Saint-Yves d’Alveydre und der französischen illuministischen Tradition beruht.

Diese Hinwendung zu einer westlichen Esoterik trägt dazu bei, das Umfeld um Papus von der Theosophie abzugrenzen. Sie erklärt auch, warum Papus zu einer bedeutenden Figur dessen werden sollte, was Historiker als den französischen Okkultismus der Belle Époque beschreiben.

L’Initiation, das große Verbreitungsorgan

Im Oktober 1888 erscheint die erste Ausgabe von L’Initiation. Die Bibliothèque nationale de France bewahrt die Reihe auf und bestätigt eine monatliche Veröffentlichung von Oktober 1888 bis September 1912.

Die Zeitschrift trägt den Untertitel « unabhängige philosophische Zeitschrift für höhere Studien » und kündigt Themenbereiche wie Hypnotismus und Theosophie an. Gérard Encausse ist ihr Herausgeber.

L’Initiation wird rasch zu weit mehr als einer persönlichen Zeitschrift. Sie bietet einem ganzen Umfeld einen Veröffentlichungsort: Okkultisten, Martinisten, Magnetiseuren, religiösen Autoren, Forschern des Psychischen und spiritistischen Freimaurern.

Die Rolle der Zeitschrift ist entscheidend. Eine Lehre existiert nicht nur durch die Bücher ihres Begründers; sie besteht auch dank des Austauschs, der Besprechungen, der Debatten und der Verbreitung von Texten. L’Initiation schafft diesen Raum.

Nach 1912 macht die Zeitschrift Mysteria Platz, die 1913-1914 unter der Leitung von Papus herausgegeben wurde. Um Papus bildet sich ebenfalls ein Netzwerk aus Buchhändlern und Verlegern. Die Librairie du Merveilleux wird zu einem der prägenden Orte des Pariser okkultistischen Lebens.

Spezialisierte Buchhandlungen spielen damals eine ähnliche Rolle wie heutige Foren oder digitale Netzwerke: Dort kauft man Bücher, trifft aber auch Autoren, Schüler, Verleger und Mitglieder initiatischer Gesellschaften. Persönlichkeiten wie Stanislas de Guaita, Joséphin Péladan, François-Charles Barlet, Marc Haven, Sédir und mehrere Mitarbeiter von Papus begegnen sich in diesen Netzwerken.

Der französische Okkultismus der Belle Époque ist also keine Reihe isolierter Autoren. Er bildet ein organisiertes intellektuelles Milieu mit seinen Zeitschriften, Verlagen, Streitigkeiten und Schulen.

Stanislas de Guaita und der Kabbalistische Orden vom Rosenkreuz

Papus schließt sich dem Kreis an, der sich um Stanislas de Guaita und Joséphin Péladan gebildet hat. Der Kabbalistische Orden vom Rosenkreuz entsteht Ende der 1880er-Jahre und versammelt mehrere Persönlichkeiten des Pariser Okkultismus. Papus spielt darin eine aktive Rolle. Der Orden versucht, der Erforschung der Kabbala, des Hermetismus und der rosenkreuzerischen Traditionen eine intellektuelle Struktur zu geben.

Die Beziehungen zwischen diesen Männern sind nicht immer einfach. Péladan entfernt sich von der Gruppe und gründet seinen eigenen katholischen und ästhetischen Rosenkreuzerorden. Guaita und Papus verfolgen ihrerseits eine unmittelbar okkultistische Ausrichtung.

Diese Zeit erklärt die enge Verflechtung der Biografien der großen französischen Okkultisten am Ende des 19. Jahrhunderts. Papus ist ohne Guaita ebenso wenig zu verstehen, wie Guaita von Lévi, Péladan, Barlet und dem Umfeld von L’Initiation losgelöst werden kann.

Im Dezember 1889 gründet Papus die Unabhängige Gruppe für esoterische Studien, gewöhnlich als GIEE abgekürzt. Ihr Ziel ist pädagogischer Natur: Sie organisiert Forschungen, Kurse und Vorträge. Die Gruppe wird zu einer externen Struktur, die es Menschen, die sich für Okkultismus interessieren, ermöglicht, zunächst zu studieren, bevor sie sich gegebenenfalls einer initiatischen Gesellschaft anschließen.

1897 erhält diese Tätigkeit den Namen Freie Fakultät für hermetische Wissenschaften. Die BnF bringt Gérard Encausse direkt mit dieser Institution in Verbindung. Dieses Projekt zeigt den beinahe schulischen Charakter von Papus’ Okkultismus. Er will nicht nur geheime Grade vermitteln. Er versucht, Lehrpläne, Kurse und eine Hierarchie des Wissens zu etablieren. Diese Pädagogik trägt wesentlich zu seinem Erfolg bei. Sie verleiht dem Okkultismus den Anschein eines strukturierten Fachgebiets mit eigenen Disziplinen, Methoden und Lehrbüchern.

Der Martinismus vor Papus

Das Wort Martinismus gehört zu den schwierigsten Begriffen in der Geschichte der französischen Esoterik, weil es mehrere Wirklichkeiten umfasst. Im 18. Jahrhundert gründet Martinez de Pasqually den Orden der Élus Coëns, ein theurgisches und freimaurerisches System. Jean-Baptiste Willermoz entwickelt anschließend das Régime Écossais Rectifié, während Louis-Claude de Saint-Martin die rituelle Arbeit der Élus Coëns weitgehend aufgibt und einen inneren Weg einschlägt, der auf die Regeneration des Menschen ausgerichtet ist.

Diese drei Erbschaften sind miteinander verbunden, aber nicht identisch. Der «Martinismus», der sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts um Papus bildete, stellt daher keine bloße institutionelle Fortsetzung des Ordens von Martinez de Pasqually dar. David Allen Harvey beschreibt diesen französischen Neomartinismus als eine moderne Synthese, die das illuministische Erbe aufgreift, um auf die religiösen und politischen Probleme des nachrevolutionären Frankreichs zu reagieren.

Der traditionellen Darstellung zufolge entdeckten Papus und Augustin Chaboseau in den 1880er Jahren, dass jeder von ihnen eine individuelle, mit Saint-Martin verbundene Überlieferung besaß. Diese privaten Initiationslinien lassen sich mit den heutigen historischen Kriterien nur schwer dokumentieren. Dennoch spielen sie eine grundlegende Rolle im Gedächtnis der Bewegung.

Papus und Chaboseau beschlossen, ihre Überlieferungen zusammenzuführen und eine organisierte Struktur zu schaffen. Das genaue Datum der ersten Arbeiten variiert je nach Quelle. Die BnF datiert die Entstehung des Martinistenordens ungefähr auf 1882 und setzt dabei ein Fragezeichen, weist jedoch darauf hin, dass eine maßgebliche freimaurerische Quelle 1891 angibt. Zeitgenössische Historiker datieren die Institutionalisierung der Bewegung im Allgemeinen auf etwa 1891. Daher ist es irreführend zu behaupten, der Martinistenorden sei 1884 als bereits strukturierte Institution «mitbegründet» worden.

1891, die Institutionalisierung des Martinistenordens

Um 1891 nahm der Martinistenorden mit einem Obersten Rat und Papus an seiner Spitze eine deutlichere institutionelle Form an. Die Bewegung verwendete ein relativ einfaches Gradessystem und stellte die Figur des «Unbekannten Oberen» in den Mittelpunkt. Sie beanspruchte, einen von Saint-Martin und dem französischen Illuminismus inspirierten Weg der geistigen Reintegration fortzusetzen.

Der Martinismus nach Papus verbreitete sich dank Zeitschriften und ausländischer Korrespondenten rasch. Gruppen entstanden in Europa, im Russischen Kaiserreich und auf dem amerikanischen Kontinent. Diese Expansion zählt zu den großen Erfolgen von Papus. Der Orden war nicht nur eine Pariser Gesellschaft, sondern wurde zu einem internationalen Netzwerk.

Papus begnügte sich nicht damit, den Orden zu leiten. Er versuchte, dessen Geschichte wiederherzustellen. Er veröffentlichte Werke über Martinez de Pasqually, Saint-Martin und die verschiedenen Strömungen des französischen Illuminismus. 1899 erschien Martinésisme, willermosisme, martinisme et franc-maçonnerie. 1902 widmete er Louis-Claude de Saint-Martin ein ganzes Buch.

Diese Werke bleiben wichtig, weil sie Dokumente bewahrt oder reproduziert haben, müssen jedoch mit Abstand gelesen werden. Papus schrieb auch, um den von ihm geleiteten Orden zu legitimieren. Seine Verbindung von Martinez, Willermoz, Saint-Martin und dem modernen Martinismus schuf eine Genealogie, die die nachfolgenden Generationen stark beeinflusste.

Die Medizin, die andere Laufbahn von Gérard Encausse

Parallel dazu setzt Gérard Encausse sein Medizinstudium fort. Das Comité des travaux historiques et scientifiques gibt an, dass er im Juli 1894 in Paris zum Doktor der Medizin promoviert wird. Seine medizinische Arbeit wird im Allgemeinen mit Die philosophische Anatomie und ihre Einteilungen in Verbindung gebracht, die 1894 veröffentlicht wurde. Der Titel zeigt bereits seinen Wunsch, Entsprechungen zwischen anatomischer Struktur und allgemeinem Denken herzustellen.

Encausse interessiert sich auch für Hypnose, Homöopathie und mehrere zu seiner Zeit umstrittene Therapiemethoden. Er leitet ein Jahrbuch der Homöopathie in Paris und veröffentlicht über Dosimetrie oder die Aufnahme von Arzneimitteln durch die Haut.

Es wäre jedoch übertrieben, ihn im heutigen Sinne als Begründer einer „ganzheitlichen Medizin“ darzustellen. Sein Werdegang gehört zur Medizin des späten 19. Jahrhunderts, einer Zeit, in der mehrere konkurrierende therapeutische Schulen noch um ihren Platz ringen. Bei Papus wird die Medizin vor allem zu einem Modell: Der Körper bildet ein organisiertes System, und er stellt sich vor, dass das Universum oder die Gesellschaft durch Analogie untersucht werden können.

Der Methodische Traktat der okkulten Wissenschaft

1891 erscheint der Methodische Traktat der okkulten Wissenschaft. Der Titel muss genau festgehalten werden: Es handelt sich tatsächlich um den Methodischen Traktat der okkulten Wissenschaft und nicht um einen „Methodischen Traktat der praktischen Magie“.

Das Buch versucht, die großen Lehren zusammenzufassen, die Papus mit den okkulten Wissenschaften verbindet. Es stellt allgemeine Prinzipien, Entsprechungen, Klassifikationen und eine auf der Analogie beruhende Methode vor.

Die Analogiemethode nimmt in seinem Denken einen bedeutenden Platz ein. Papus erklärt, dass die Induktion die Einzelheiten untersucht, die Deduktion das Ganze, während die Analogie beide miteinander verbinden soll. Diese Denkweise wird charakteristisch für seine Handbücher. Er vergleicht Organe, Planeten, Ebenen des menschlichen Wesens und gesellschaftliche Strukturen in umfangreichen Tabellen.

1889 veröffentlicht Papus Das Tarot der Zigeuner mit dem Untertitel „das älteste Buch der Welt, der absolute Schlüssel zur okkulten Wissenschaft“. Der Titel spiegelt die Theorien seiner Zeit wider, entspricht jedoch nicht der tatsächlichen Geschichte des Tarots. Die Karten tauchen in Europa am Ende des Mittelalters auf; sie bilden kein antikes Buch, das von einem nomadischen Volk unverändert überliefert wurde.

Papus greift die im 18. Jahrhundert von Court de Gébelin und Etteilla begründete und entwickelte esoterische Tradition auf, die im 19. Jahrhundert von Éliphas Lévi weiterentwickelt wurde. Er verbindet das Tarot mit der Kabbala, den Zahlen, den Buchstaben und den Zyklen. Sein Einfluss auf das französische esoterische Tarot wird beträchtlich sein.

Unser Artikel Das Tarot verstehen ermöglicht es, die materielle Geschichte der Karten von diesen modernen okkultistischen Konstruktionen zu unterscheiden. Die Erstausgabe von La Kabbale, tradition secrète de l’Occident erscheint 1892. Eine zweite, erheblich erweiterte Ausgabe wird 1903 veröffentlicht.

Papus präsentiert die Kabbala als einen der großen Schlüssel der westlichen Tradition. Er stützt sich auf Adolphe Franck, Éliphas Lévi, Saint-Yves d’Alveydre und mehrere Autoren aus seinem Umfeld.

Auch hier muss man seine Arbeit in ihren Kontext einordnen. Die „Kabbala“ des Papus gehört zur christlichen und okkultistischen europäischen Kabbala. Sie ist keine neutrale Darstellung der Geschichte jüdischer Traditionen.

Seine historische Bedeutung liegt jedoch anderswo: Er trägt dazu bei, ein Vokabular der Sefirot, des kabbalistischen Baumes und der Entsprechungen in Frankreich zu verbreiten, das im Okkultismus des 20. Jahrhunderts allgegenwärtig werden sollte. Unsere Einführung in die Kabbala ermöglicht es, diese westlichen Rezeptionen von der jüdischen Tradition selbst zu unterscheiden.

Die 1890er-Jahre sind auch die Zeit der großen okkultistischen Kontroversen. Die Affäre um Joseph-Antoine Boullan nimmt in den Netzwerken von Papus und Stanislas de Guaita einen wichtigen Platz ein.

Joris-Karl Huysmans trägt daraufhin zahlreiche Informationen über einen angeblichen zeitgenössischen Satanismus zusammen. Die Arbeiten von Ruben van Luijk haben gezeigt, dass mehrere dieser Informationen, die insbesondere von Boullan übermittelt wurden, äußerst unzuverlässig sind.

Papus gehört zum Lager der Okkultisten aus dem Umfeld von Guaita. Die Kontroverse wird öffentlich und führt zu Duellen, Vorwürfen der Behexung und Presseartikeln. Dieser Moment trägt zur schwarzen Legende des Pariser Okkultismus bei. Er zeigt außerdem, dass Konflikte zwischen Okkultisten nicht nur in geschlossenen Kreisen ausgetragen werden: Sie werden zu einem Medienspektakel.

Eine Begegnung verändert Papus’ Lebensweg allmählich: die mit Nizier Anthelme Philippe, besser bekannt als Maître Philippe de Lyon. Martinistische Kreise datieren ihre Begegnung auf etwa 1894. Papus bezeichnet Philippe anschließend als seinen „geistigen Meister“, während Saint-Yves d’Alveydre eher die Rolle des intellektuellen Meisters einnimmt.

Philippe ist als Heiler und Gebetsmann bekannt. Sein Einfluss führt dazu, dass Papus der Nächstenliebe, dem inneren Christentum und einer moralischen Wandlung, die nicht ausschließlich vom Studium der okkulten Wissenschaften abhängt, mehr Raum einräumt.

Diese Entwicklung ist in gewisser Hinsicht mit der von Paul Sédir vergleichbar, einem Vertrauten von Papus, der sich noch deutlicher von den okkultistischen Organisationen entfernen wird, um sich dem Christentum zu widmen.

Russland zwischen Geschichte und Legende

Papus’ Beziehungen zu Russland haben wesentlich zu seiner Legende beigetragen. Sicher ist, dass seine Bewegung über russische Kontaktpersonen verfügt und dass er um die Wende zum 20. Jahrhundert nach Russland reist. Sein Pseudonym „Niet“ erscheint in La Russie d’aujourd’hui, das 1902 veröffentlicht wurde, und die BnF bringt dieses Werk mit Gérard Encausse in Verbindung.

Die familiäre und martinistische Tradition schreibt Papus drei bedeutende Reisen in den Jahren 1901, 1905 und 1906 zu. Die Reise von 1901 im Umfeld von Philippe de Lyon und den hofnahen Kreisen bildet den am besten belegten Kern.

Von da an entwickelte sich eine weitaus spektakulärere Erzählung: Papus soll von Nikolaus II. gerufen worden sein, Séancen geleitet und den Geist Alexanders III. beschworen haben, um politische Ratschläge zu erhalten.

Das Problem besteht darin, dass diese Episoden größtenteils aus martinistischen Erinnerungen und späteren Darstellungen stammen. Sie müssen als solche präsentiert werden. Eine zeitgenössische Quelle erlaubt es, die Entstehung dieses Rufs nachzuvollziehen. Im Juli 1906 veröffentlichte Le Petit Parisien einen Artikel mit dem Titel „Das Medium des Zaren?“.

Die Zeitung berichtet über Depeschen, denen zufolge Papus am Hof von Peterhof zu einer mächtigen Persönlichkeit geworden sei und Séancen veranstalte, die die Entscheidungen Nikolaus’ II. beeinflussten. Der Artikel stellt jedoch unmittelbar klar, dass Papus sich zu diesem Zeitpunkt in Paris befindet, und weist mehrere über ihn kursierende Gerüchte zurück. Dieses Dokument ist wertvoll: Es bestätigt die außergewöhnlichen Geschichten nicht, zeigt aber, dass sie bereits zu Papus’ Lebzeiten existierten.

Seine Beziehungen zu Russland und seine Nähe zu bestimmten Hofnetzwerken sind durchaus real; um sie herum entwickelte sich das geheimnisvollere Bild vom „Medium des Zaren“, genährt durch die Presse, Erinnerungen der Martinisten und die zeitgenössische Vorliebe für okkulte Berater der Herrscher. Spätere Darstellungen stellen Papus gerne Grigori Rasputin gegenüber. Papus soll Nikolaus II. und Alexandra vor der Gefahr gewarnt haben, die von dem sibirischen Geistlichen ausging.

Diese Geschichte passt gut zum Wettbewerb zwischen den spirituellen Gestalten, die den russischen Hof umgaben, doch die Belege dafür, sie zu einem zentralen Abschnitt in Papus’ Laufbahn zu machen, bleiben begrenzt.

Man sollte keinesfalls eine vereinfachte Abfolge konstruieren, in der Papus zunächst „offizieller okkulter Berater“ der Romanows gewesen und anschließend durch Rasputin ersetzt worden wäre. Der russische Kaiserhof empfing mehrere religiöse Gestalten, Heiler und Berater in einem Umfeld, in dem sich persönliche Beziehungen schnell veränderten.

Die Präsenz von Papus in dieser Welt ist historisch interessant; sie in eine offizielle Funktion umzuwandeln, ist es nicht. Die Beziehung von Papus zur Freimaurerei ist komplex. Entgegen einer häufigen Behauptung wurde er nicht einfach „1901 zum Großmeister der Freimaurerei gewählt“.

Er unterhält schwierige Beziehungen zu bestimmten regulären französischen Obödienzen und sucht zugleich nach spiritualistischen freimaurerischen Systemen, die seinem Programm stärker entsprechen. Über John Yarker erhält er Patente, die mit dem schwedischen Ritus verbunden sind. 1908 organisiert er in Paris eine bedeutende freimaurerische und spiritualistische Konferenz.

In jenem Jahr bildet sich im Umfeld von Papus, Teder und Theodor Reuss ein Oberster Großrat, der in Frankreich mit dem Alten und Primitiven Ritus von Memphis-Misraïm verbunden ist. Papus’ Rolle ist also real, muss aber präzise formuliert werden: Er leitet spiritualistische und gegenüber den großen französischen Obödienzen randständige freimaurerische Strukturen, statt „die Freimaurerei“ insgesamt zu führen.

Der spiritualistische Freimaurerkongress im Juni 1908 stellt einen der Höhepunkte seiner institutionellen Tätigkeit dar. Er bringt in Paris Vertreter mehrerer initiatischer und freimaurerischer Organisationen zusammen. Theodor Reuss, der mit dem Ordo Templi Orientis und germanischen freimaurerischen Riten verbunden ist, bewegt sich in diesem Umfeld.

Papus versucht, angesichts einer französischen Freimaurerei, die er für zu rationalistisch oder zu politisch hält, ein internationales Bündnis spiritualistischer Riten aufzubauen. Dieser Wille zur internationalen Organisation ist charakteristisch für seine Methode. Papus begnügt sich nie mit einer Lehrschule; er will Strukturen, Satzungen, Zeitschriften und Netzwerke, die die Gruppen miteinander verbinden können.

Papus unterhält außerdem Verbindungen zur französischen gnostischen Bewegung, die sich um Jules Doinel gebildet hat. Diese moderne gnostische Kirche entsteht im selben Klima wie der Martinismus und das okkultistische Rosenkreuzertum. Sie greift Elemente des alten gnostischen Christentums auf, gestaltet sie jedoch nach den esoterischen Vorstellungen des späten 19. Jahrhunderts neu.

Die genauen Zugehörigkeiten und Titel, die Papus zugeschrieben werden, variieren je nach internen Quellen. Sicher ist seine Beteiligung an dem Netzwerk, in dem Doinel, Bricaud und die Verantwortlichen mehrerer gnostischer Organisationen verkehren. Unser Artikel über den Gnostizismus ermöglicht es, die antiken Bewegungen von den in der Neuzeit neu erfundenen gnostischen Kirchen zu unterscheiden. Papus fungiert für eine ganze Generation als Vermittler. Marc Haven, Sédir, Phaneg, Teder, Jean Bricaud, Victor-Émile Michelet, Barlet und mehrere andere arbeiten in seinem Umfeld.

Der junge René Guénon durchläuft ebenfalls Organisationen aus diesem Umfeld, bevor er sich vom Okkultismus abwendet. Mark Sedgwick hat gezeigt, dass der Martinismus und die von Papus geleiteten Gruppen zu der intellektuellen Landschaft gehören, in der Guénon seine ersten Positionen entwickelt.

Dieser Einfluss ist bedeutend: Papus überliefert nicht nur Lehren, sondern stellt Autoren, die später sehr unterschiedliche Wege einschlagen werden, auch eine Infrastruktur zur Verfügung. Einige bleiben Martinisten, andere wenden sich einem christlichen Weg, der Freimaurerei, dem Gnostizismus oder einer radikalen Kritik des Okkultismus zu.

Für Papus ist das Universum durch Analogien geordnet. Der Mensch bildet einen Mikrokosmos, der allgemeinere Gesetzmäßigkeiten widerspiegelt. Er verwendet häufig Dreierschemata: Körper, Seele und Geist; Materie, Leben und Intelligenz; physische, astrale und spirituelle Ebene.

Diese Syntheseperspektive versucht, die Wissenschaften seiner Zeit zu integrieren, ohne die okkulten Entsprechungen aufzugeben. Papus verwendet Begriffe aus der Physiologie, der Elektrizität, dem Magnetismus und der Medizin, um aus der Magie überlieferte Konzepte zu erklären. Unser Artikel Die Welt nach Papus erläutert diese Lehrarchitektur ausführlich, damit die vorliegende Seite eine echte Biografie bleibt.

Der Erste Weltkrieg

Als der Erste Weltkrieg ausbricht, ist Gérard Encausse fast fünfzig Jahre alt. Er schränkt einen Teil seiner okkultistischen Aktivitäten ein und dient als Arzt. Die biografische Überlieferung zeigt ihn bei der Arbeit in militärischen medizinischen Einrichtungen und im Einsatz für die Verwundeten, bis er sich erschöpft. Mehrere martinistische Quellen geben an, dass diese Zeit seine Gesundheit stark beeinträchtigt.

Bei den nach seinem Tod hinzugefügten heroischen Details ist Zurückhaltung geboten. Sein ärztlicher Einsatz während des Krieges ist durch die kohärente biografische Überlieferung und die Dokumente aus seinem Umfeld belegt, doch manche Schilderungen völliger Aufopferung gehören zur posthumen Würdigung.

Unbestreitbar ist, dass Papus mitten im Krieg stirbt, während mehrere seiner Netzwerke desorganisiert sind und die Welt der Belle Époque, der er angehörte, verschwindet.

Gérard Encausse stirbt am 25. Oktober 1916 im Alter von 51 Jahren in Paris. Dieses Datum wird von der Bibliothèque nationale de France und dem Comité des travaux historiques et scientifiques bestätigt.

Als Todesursache wird in der familiären und martinistischen biografischen Überlieferung Lungentuberkulose angegeben. Sie wird häufig mit der Erschöpfung durch seinen ärztlichen Dienst während des Krieges in Verbindung gebracht.

Er ist auf dem Friedhof Père-Lachaise begraben. Sein Grab befindet sich im 93. Abschnitt und trägt den Namen der Familie Encausse. Unser Guide der Okkultisten auf dem Père-Lachaise ordnet sein Grab in die Reihe anderer Persönlichkeiten ein, die mit der Geschichte der französischen Esoterik verbunden sind.

Der Tod von Papus beendet den Martinismus nicht, sondern leitet eine Zeit der Spaltungen ein. Teder folgt ihm in einem Teil der Strukturen nach. Jean Bricaud spielt anschließend eine wichtige Rolle bei der Neuorganisation der Bewegung, während andere Linien eigenständige Kontinuitäten beanspruchen. Im 20. Jahrhundert werden mehrere Organisationen den Namen Martinistenorden verwenden. Sie können nicht alle als ein und dieselbe Institution betrachtet werden, die seit Papus unverändert fortbesteht.

Diese Vielfalt ist für die Geschichte der Bewegung wichtig. „Der Martinismus“ bezeichnet heute eine Familie von Gruppen und Linien, die sich auf Saint-Martin und Papus beziehen, deren Abstammungslinien und Lehren jedoch voneinander abweichen können.

Warum hatte Papus einen solchen Einfluss?

Die Stärke von Papus liegt nicht in einer Lehrentdeckung, die mit jener eines Philosophen vergleichbar wäre, der ein völlig neues System entwickelt. Sein Talent ist das eines Organisators. Er greift Lévi, Saint-Yves, Wroński, die christliche Kabbala, das Tarot, den Martinismus und den Magnetismus auf und verwandelt sie anschließend in einen Lehrgang.

Er versteht es auch, die Medien seiner Zeit zu nutzen: preiswerte Bücher, Broschüren, Monatszeitschriften, Vorträge, Buchhandlungen und internationale Netzwerke. Diese Fähigkeit erklärt, warum sein Name von 1885 bis 1914 überall im französischsprachigen Okkultismus auftaucht. Wo Éliphas Lévi eine symbolische Philosophie aufgebaut hatte, errichtet Papus ein regelrechtes Ökosystem.

Das Werk von Papus ist umfangreich. Die BnF verknüpft mehrere Dutzend Einträge mit Gérard Encausse und mehr als zweihundert Einträge mit seinem Pseudonym. Der zeitgenössische Okkultismus, 1887 erschienen, stellt seine wichtigsten modernen Bezugspunkte vor. Elementarlehrbuch der okkulten Wissenschaft liefert 1888 eine allgemeine Einführung. Das Tarot der Zigeuner von 1889 ist sein großes Buch über das Tarot. Methodische Abhandlung über die okkulte Wissenschaft erscheint 1891.

Die Kabbala, die geheime Tradition des Abendlandes erscheint 1892 und wird 1903 stark erweitert. Papus veröffentlicht außerdem über Spiritismus, Magnetismus, Hypnose, Alchemie, Geheimgesellschaften und Martinismus. Seine Werke über Martinez de Pasqually, Saint-Martin und den französischen Illuminismus gehören zu jenen, die das moderne Gedächtnis dieser Strömungen am stärksten geprägt haben.

Es wäre irreführend, die historischen Bücher von Papus als wissenschaftliche Arbeiten im heutigen Sinne zu lesen. Er besitzt ein echtes Interesse an Archiven und veröffentlicht Dokumente. Zugleich versucht er jedoch, eine initiatorische Kontinuität herzustellen und die Organisationen zu legitimieren, denen er angehört.

Seine Darstellungen des Martinismus verbinden daher historische Dokumente, mündliche Überlieferungen und initiatorisches Gedächtnis. Diese Kombination macht seine Bücher nicht wertlos. Sie verpflichtet lediglich dazu, sie ebenso als Quellen zur Geschichte des modernen Martinismus wie als Darstellungen des 18. Jahrhunderts zu verwenden.

Die wissenschaftlichen Arbeiten zur französischen Esoterik ermöglichen es heute, Papus in einen wesentlich größeren Kontext einzuordnen. Jean-Pierre Laurant ordnet ihn in die Geschichte der französischen christlichen Esoterik des späten 19ème siècle ein. David Allen Harvey analysiert den modernen Martinismus als Versuch, die politischen und religiösen Brüche des nachrevolutionären Frankreichs zu versöhnen.

Alex Owen erinnert an die Bedeutung der französischen Esoterik und ihrer „high magic“ für die Verbreitung der europäischen Esoterik um die Wende zum 20ème siècle. Mark Sedgwick zeigt schließlich, dass die Netzwerke des Papus einen Teil des Umfelds bildeten, in dem René Guénon sich entwickelte, bevor er zu einem der bedeutendsten Kritiker der Esoterik wurde. Diese Forschungen lassen Papus weniger legendär, aber weitaus interessanter erscheinen: als Arzt, Verleger, Organisator und Gestalter einer modernen initiatischen Kultur.

Quellen und Orientierungspunkte

Der Normdatensatz der Bibliothèque nationale de France bildet die verlässlichste Grundlage für seine Lebensdaten und seine Tätigkeit: geboren am 13. Juli 1865, gestorben am 25. Oktober 1916, Arzt, Gründer des Ordre Martiniste und von L’Initiation im Jahr 1888. Die BnF bewahrt außerdem einen beträchtlichen Teil seiner Bücher und Zeitschriften auf.

Das Comité des travaux historiques et scientifiques, das der École nationale des chartes angegliedert ist, stellt einen biografischen Eintrag bereit, der auf mehreren Papus gewidmeten Studien beruht. Er bestätigt insbesondere seine im Juli 1894 in Paris erworbene Promotion in Medizin und führt seine wichtigsten Veröffentlichungen auf.

Für den Martinismus stellt David Allen Harveys Beyond Enlightenment: Occultism and Politics in Modern France, Northern Illinois University Press, 2005, eine bedeutende Referenz dar. Das Werk ordnet den Neomartinismus des Papus in die französische politische und religiöse Geschichte ein und betont seinen modernen Charakter statt einer einfachen institutionellen Kontinuität mit dem 18ème siècle.

Jean-Pierre Laurant untersucht in L’Ésotérisme chrétien en France au 19ème siècle das Umfeld, dem Éliphas Lévi, Saint-Yves d’Alveydre, Papus, Péladan, Barlet, Sédir und ihre Zeitgenossen angehörten. Das Werk bleibt eine wichtige Referenz, um die Netzwerke und Veränderungen der französischen Esoterik zu verstehen.

Die Sammlungen der BnF ermöglichen es endlich, direkt mit den Primärquellen zu arbeiten: L’Initiation erscheint ab Oktober 1888; Le Tarot des Bohémiens wird 1889 veröffentlicht; La Kabbale 1892; Martinésisme, willermosisme, martinisme et franc-maçonnerie 1899. Diese Ausgaben ermöglichen es, die tatsächliche Chronologie seines Werks zu überprüfen, ohne von modernen Neuauflagen abhängig zu sein.

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