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Heiliger Matthäus
Jésus désigne Matthieu, assis au bureau des taxes, dans une peinture du Caravage

Die Heiligen

Heiliger Matthäus

7 Min. Lesezeit

Der heilige Matthäus wird in den Evangelien mit einem Mann in Verbindung gebracht, der an seinem Zolltisch sitzt, als Jesus ihn auffordert, ihm zu folgen. Diese Szene, die durch Caravaggios Gemälde berühmt wurde, erzählt von einer Begegnung, die den gesellschaftlichen Ruf eines Zöllners grundlegend verändert und ihn in die Gruppe der Jünger aufnimmt. Die christliche Tradition schreibt ihm außerdem das erste Evangelium des Neuen Testaments zu, ein Werk, das sich mit der Erfüllung der Schriften und den langen Lehren Jesu auseinandersetzt. Um Matthäus zu verstehen, muss man zwischen dem Apostel und den biblischen Erzählungen, der Geschichte der Zuschreibung des Buches und den Überlieferungen über seine Mission unterscheiden.

Zeit 1. Jahrhundert
Genannter Beruf Zöllner in Kafarnaum
Rolle Apostel; der Überlieferung zufolge Evangelist
Texte Matthäus 9, Markus 2, Lukas 5, Evangelium nach Matthäus
Attribute Geflügelter Mensch oder Engel, Buch und Münze
Fest 21. September

Der Mann am Zolltisch

Das Evangelium nach Matthäus erzählt in Kapitel 9, dass Jesus einen Mann namens Matthäus an seinem Zolltisch sitzen sieht. Er fordert ihn auf, ihm zu folgen, und dieser steht auf. Die Erzählung ist kurz, doch ihr Rahmen hat eine starke Bedeutung. Zöllner arbeiteten in einem System, in dem die Steuererhebungen wenig willkommen waren und manche Beamte im Ruf standen, ihre Stellung auszunutzen.

Kafarnaum am See Gennesaret lag an Handelswegen und grenzte an Gebiete, die von unterschiedlichen Mächten verwaltet wurden. Der Zolltisch gehörte zu dieser wirtschaftlichen Welt. Jesus begegnet Matthäus also nicht in einem rein religiösen Umfeld, sondern in einer Tätigkeit, die mit Geld, öffentlichen Pflichten und den sozialen Spannungen der Region verbunden war.

Die Berufung wird ohne lange Begründungen dargestellt. Matthäus steht auf und folgt Jesus - ein Ausdruck, der in der Erzählung eine neue Ausrichtung seines Lebens markiert. Der Text wurde zu einem der großen Zeugnisse der Evangelien über die Berufung: Christus ruft einen Menschen, dessen gesellschaftlicher Ruf nicht unbedingt günstig ist.

Matthäus und Levi in den drei Evangelien

Die parallelen Erzählungen in Markus 2 und Lukas 5 nennen den Berufenen Levi. Die christliche Tradition hat Levi und Matthäus miteinander verbunden, doch die Texte erklären den Wechsel von einer Bezeichnung zur anderen nicht ausdrücklich. Dieser Unterschied gehört zur Untersuchung der Quellen der Evangelien: Er lädt dazu ein, jede Erzählung zunächst in ihrer eigenen Gestaltung zu lesen, bevor man sie miteinander harmonisiert.

Lukas betont besonders das von Levi veranstaltete Mahl, bei dem Jesus mit Zöllnern und gesellschaftlich gering geschätzten Menschen zusammen ist. Gesprächspartner kritisieren diese Nähe. Jesus antwortet, dass er gekommen sei, Sünder zur Umkehr zu rufen. Bei Matthäus führt die Berufungserzählung ebenfalls zur Frage des Mahls und der Barmherzigkeit.

Der Anstoß liegt daher nicht nur darin, dass Jesus einen Zöllner als Jünger auswählt. Er entsteht auch dadurch, dass Jesus mit Menschen zu Tisch liegt, die von der Gesellschaft auf Abstand gehalten werden. Die Identität des Matthäus wird durch diese Szene der Begegnung, der Aufnahme und der Verwandlung erhellt.

Die Gruppe der Zwölf und das apostolische Gedächtnis

Matthäus erscheint in den Listen der zwölf Apostel, die von den Evangelien und der Apostelgeschichte überliefert werden. Das erste Evangelium bezeichnet ihn in dieser Liste ausdrücklich als „den Zöllner“ und verbindet damit die in Kapitel 9 erzählte Berufung mit seinem Platz unter den Gefährten Christi. Die übrigen Episoden aus dem Wirken Jesu liefern dagegen nur wenige persönliche Einzelheiten über sein Leben.

Dieses Schweigen der Bibel erklärt die spätere Entwicklung von Überlieferungen über seine Reisen und seinen Tod. Verschiedene Regionen beanspruchten, dass er dort gepredigt habe oder den Märtyrertod erlitten habe, ohne dass sich ein sicherer Reiseweg rekonstruieren lässt. Diese Erzählungen gehören zur christlichen Rezeption der apostolischen Gruppe und müssen von den Informationen unterschieden werden, die unmittelbar aus den kanonischen Texten hervorgehen.

Matthäus wird als Zeuge des Lebens Jesu verehrt. Seine Gestalt erhielt eine besondere Stellung, weil das erste Evangelium seinen Namen trägt. Die Beziehung zwischen dieser Person und dem Buch bleibt ein wichtiger Punkt in der Geschichte der christlichen Überlieferung.

Die Zuschreibung des ersten Evangeliums

Die alte Überlieferung schreibt das erste Evangelium dem Apostel Matthäus zu. Autoren wie Papias, der durch Eusebius von Caesarea bekannt ist, und Irenäus von Lyon überlieferten Informationen über seine schriftstellerische Tätigkeit. Textgeschichtler untersuchen jedoch die griechische Abfassung des Evangeliums, seine Verbindungen zu Markus, die von ihm übernommenen Überlieferungen und den Kontext seiner Gemeinde.

Das Werk stellt sich in seinem Text nicht als signierte Autobiografie des Apostels dar. Seine Zuschreibung gehört daher zur Geschichte seiner Überlieferung. Diese Nuance ermöglicht es, die kirchliche Tradition zu achten und zugleich die literarischen Daten genau zu lesen. Die moderne Forschung unterscheidet im Allgemeinen zwischen der historischen Gestalt des Jüngers und der Frage nach dem endgültigen Verfasser des Buches.

Der Titel „Evangelium nach Matthäus“ bringt eine starke Verbindung zwischen einem apostolischen Namen und einer von den Kirchen anerkannten schriftlichen Überlieferung zum Ausdruck. Er verlangt nicht, jedes Detail der Abfassung als unmittelbar von den Evangelisten selbst bekannt anzusehen.

Die großen Reden und die Bergpredigt

Das Evangelium nach Matthäus räumt den Worten Jesu einen beträchtlichen Platz ein. Die Bergpredigt in den Kapiteln 5 bis 7 versammelt insbesondere die Seligpreisungen sowie die Lehre über das Gebet, die Vergebung und den Umgang mit anderen. In diesem Zusammenhang steht auch das Vaterunser. Der Text verbindet den Alltag mit der Gerechtigkeit des Reiches Gottes und betont die Bedeutung einer Treue, die ebenso die Absichten wie die Taten umfasst.

Weitere Redeeinheiten strukturieren das Werk: die Missionsrede, die Gleichnisse, die Lehren über das Leben der Gemeinde und die Rede über die Zukunft. Diese literarische Gestaltung trägt dazu bei, das Evangelium zu einem großen Lehrtext zu machen. Es ist nicht lediglich als Sammlung einzelner Erinnerungen zu verstehen.

Der Evangelist kommt auch auf die Erfüllung der Schriften Israels zurück. Die Zitate aus den Propheten verbinden das Leben Jesu mit einer älteren Geschichte. Der einleitende Stammbaum, die Kindheitserzählungen und die Worte über das Gesetz verleihen dem Buch eine deutlich ausgeprägte theologische Identität.

Der geflügelte Mensch und Caravaggios Berufung des Matthäus

Das Symbol des Matthäus ist gewöhnlich ein geflügelter Mensch, der in der christlichen Kunst als Engel dargestellt wird. Es gehört zur Reihe der vier Lebewesen, die den Evangelisten zugeordnet werden und deren ikonografische Geschichte auf die Vision Ezechiels und die Offenbarung zurückgreift. Der Mensch erinnert insbesondere an den Stammbaum und die Menschheit Jesu, die auf den ersten Seiten des Buches besonders gegenwärtig sind.

Caravaggio schuf in der Kirche San Luigi dei Francesi in Rom eine berühmte Darstellung der Berufung des Matthäus. Christus weist dort auf eine Gruppe von Männern, die sich um einen Silbertisch versammelt haben. Das Licht ordnet die Szene und vermittelt das plötzliche Hereinbrechen des Rufes in den Rahmen einer gewöhnlichen Tätigkeit. Das Werk versucht nicht, einen Ort in Galiläa im 1. Jahrhundert nachzubilden, sondern macht das Ereignis für seine Betrachter spürbar.

In anderen Werken sitzt Matthäus mit einem Buch da, begleitet von dem Engel, der ihn beim Schreiben inspiriert. Die Münze oder der Geldbeutel erinnert an seine Tätigkeit als Zöllner. Diese Attribute verbinden seine Berufung zum Evangelisten, seine Verbindung mit einem Buch und die Überlieferungen über seine Predigt.

Das Matthäusfest und die Bedeutung der Barmherzigkeit

Das Fest des heiligen Matthäus wird am 21. September gefeiert im römischen Kalender. Das Gebet zum Apostel steht im Gedenken an die Gruppe der Zwölf, doch der Leser kann seine Gestalt unmittelbar entdecken, wenn er zur in Matthäus 9 erzählten Begegnung und zu den parallelen Berichten bei Markus und Lukas zurückkehrt.

Das Thema der Barmherzigkeit bildet einen roten Faden, der die Szene mit dem Zöllner mit dem übrigen Evangelium verbindet. Die Berufung hebt die menschliche Verantwortung nicht auf, sondern eröffnet eine Möglichkeit zur Veränderung. Das Mahl mit gesellschaftlich ausgegrenzten Menschen macht diese Ausrichtung sichtbar. Die Identität des Matthäus erschöpft sich daher weder in seinem früheren Beruf noch im Symbol des geflügelten Menschen.

Die Untersuchung des ersten Evangeliums ermöglicht schließlich zu verstehen, warum dieser Name in der christlichen Tradition ein besonderes Gewicht besitzt. Er verweist sowohl auf die Berufung eines Jüngers als auch auf ein großes Werk über die Lehre Christi und die Erfüllung der Schriften.

Die Begegnung des Zöllners mit Jesus wird ausführlicher im Beitrag über Matthäus unter den Zwölf behandelt. Sie ermöglicht den Vergleich der Berufungserzählungen in den Evangelien mit der Geschichte der Überlieferung, die dem ersten Evangelium seinen Namen zuschreibt.

Historische Quellen und Nachweise

Evangelien: Matthäus 9, 9–13 (Berufung des Zöllners), Markus 2, 13–17 (Levi), Lukas 5, 27–32 (Mahl) und Matthäus 5 (Seligpreisungen).

Benedikt XVI., Generalaudienz vom 30. August 2006 über Matthäus.

Alte Zuschreibung: Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte, III, 39, Zeugnis des Papias, und Irenäus von Lyon, Gegen die Häresien, III, 1.

Illustration: Caravaggio, Die Berufung des heiligen Matthäus (1599–1600), Reproduktion aus dem gemeinfreien Bestand.

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