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Die Magie der Kerzen

Die Magie der Kerzen

Die Kerze nimmt seit Jahrtausenden einen besonderen Platz in der magischen Kunst und in spirituellen Traditionen ein. Als Lichtquelle und rituelles Werkzeug zugleich dient sie als Brücke zwischen der materiellen und der spirituellen Welt. Erkundung und Verwendung.

Antike Verwendungen

Die Verwendung von Kerzen reicht bis in die Antike zurück. Die ersten Kerzenformen bestanden aus einfachen Fackeln: Die alten Ägypter tauchten Schilfrohre in Fett oder Wachs, um primitive Lampen herzustellen. Die Römer verfeinerten diese Technik und entwickelten Kerzen aus Bienenwachs, das reiner und weniger geruchsintensiv als tierisches Fett war. Diese antiken Kerzen wurden nicht nur zur Beleuchtung verwendet, sondern auch bei religiösen Riten: Die Griechen zündeten während Zeremonien zu Ehren der Artemis (Göttin des Mondes und des Lichts) Kerzen an, und die Römer opferten den Hausgöttern Kerzen.

In Indien und Asien verwendete man in heiligen Ritualen eher Öllampen (die Diyas aus gebranntem Ton), doch die Absicht blieb dieselbe: das Göttliche durch die Flamme zu ehren. Tatsächlich erkannten nahezu alle Zivilisationen in der Flamme eine mystische Kraft: Verbrennen bedeutet, zu verwandeln und zu reinigen. Eine Kerze anzuzünden bedeutet, eine Veränderung zu erbitten oder eine spirituelle Präsenz herbeizurufen.

Göttliches Symbol im Mittelalter

Im europäischen Mittelalter erhielt die Kerze eine zentrale spirituelle Bedeutung, insbesondere im Christentum. Das flackernde Licht der Kerzen verkörpert die Gegenwart Gottes: Jede Flamme steht symbolisch für das „Licht Christi“ oder den Atem des Heiligen Geistes, der die Seelen erleuchtet. Mittelalterliche Kirchen, insbesondere gotische Kathedralen, wurden während Messen und Zeremonien von Kerzen erhellt und machten die Kerze zu einem heiligen Gegenstand. Die Beschaffung hochwertiger Kerzen (aus Bienenwachs, das von Klöstern geliefert wurde) war aufgrund der großen Nachfrage für den Gottesdienst sogar ein eigenes Handwerk.

Neben den liturgischen Anwendungen bezogen auch die Bevölkerung und die Praktizierenden volkstümlicher Magie Kerzen in ihre Bräuche ein. In den europäischen Traditionen werden Kerzen Kräfte der Wahrsagung und des Schutzes zugeschrieben. Man beobachtete, wie die Flamme brannte, um darin Vorzeichen zu lesen: Die Richtung des Flackerns konnte schönes Wetter oder einen Sturm ankündigen, eine klare und gleichmäßige Flamme verhieß Glück, während eine flackernde Flamme oder eine, die ungewöhnliche Schatten warf, als schlechtes Zeichen oder als Ankündigung eines Todes gedeutet werden konnte. In der Bretagne oder in Schottland besagte ein Brauch, dass das selbstständige Erlöschen einer Kerze die Anwesenheit eines Geistes im Raum bedeutete. Zahlreiche mittelalterliche Aberglauben verknüpften so die kleine Flamme eng mit der unsichtbaren Welt.

Lichtrituale und Schutz

Mehrere europäische Traditionen veranschaulichen die schützende und heilige Rolle der Kerzen. Das Fest Mariä Lichtmess (2. Februar) ist dafür beispielhaft: Aus römischen Reinigungsriten hervorgegangen und später christianisiert, ist dieses Fest der „Darstellung des Herrn im Tempel“ von der Segnung der Kerzen geprägt. Die zu Mariä Lichtmess gesegneten Kerzen wurden früher zu Hause wie echte Talismane sorgsam aufbewahrt. Bei großen Gefahren zündete man sie an, um den göttlichen Schutz anzurufen. Auf dem Land dienten diese heiligen Kerzen außerdem dazu, im Frühjahr das Saatgut zu segnen und so gute Ernten zu sichern oder Kranke und Sterbende zu behüten, indem man sie mit heiligem Licht umgab.

Die Kerze spielt auch in der volkstümlichen Magie zur Entzauberung und Verfluchung eine Rolle. Weniger bekannt ist, dass dieselben gesegneten Kerzen auch bei Hexenritualen verwendet werden konnten. Ein im 19. Jahrhundert in der Bigorre (Südwestfrankreich) überlieferter Brauch zeigt, wie schmal die Grenze zwischen Frömmigkeit und Schadenszauber war: Von ihren Ehemännern betrogene Frauen steckten kreuzförmige Nadeln in eine Kerze zu Mariä Lichtmess und ließen sie anschließend um Mitternacht an einer Wegkreuzung abbrennen. Man glaubte, dass der untreue Ehemann im selben Maß dahinsiechte, wie das Wachs in der Flamme schmolz – als Opfer eines Rachezaubers. Umgekehrt glaubte man, dass das Anzünden gesegneter Kerzen rund um das Bett eines Kranken dessen Krankheit aufnehmen könne – die Flamme nahm alle Leiden auf, bevor sie erlosch und damit die erhoffte Genesung anzeigte.

Vom Zauberbuch zu den Volkstraditionen

In der Renaissance und der Neuzeit wurde die Symbolik der Kerze noch vielfältiger. Die Grimoires der Zeremonialmagie aus dem 17. und 18. Jahrhundert beschreiben ausführlich die Verwendung bestimmter Kerzen in Ritualen: Darunter findet sich auch das Rezept für die unheimliche Hand des Ruhmes. Dieses europäische Amulett bestand aus der abgetrennten Hand eines Gehängten, die als Kerzenhalter für eine aus dem Fett desselben Hingerichteten gefertigte Kerze diente. Der Legende zufolge ließ sie beim Anzünden alle Anwesenden außer dem Träger bewegungslos werden, was nächtliche Diebstähle erleichterte, und konnte nur mit Milch gelöscht werden.

Darüber hinaus ist das Anzünden von Kerzen im Laufe der Jahrhunderte eine im Alltag verankerte rituelle Handlung geblieben. Denken wir an die Geburtstagskerzen: Dieser europäische Brauch hat seinen Ursprung im antiken Griechenland (als Hommage an Artemis) oder in mittelalterlichen Praktiken und besteht bis heute in Form eines kleinen Wunschrituals fort (man formuliert einen Wunsch, während man die Kerze ausbläst). Ebenso war es auf den Britischen Inseln üblich, in der Nacht vor Allerheiligen (dem Vorabend des Totengedenktags) eine Kerze auf der Fensterbank anzuzünden, um den umherwandernden Seelen den Weg zu weisen – eine Tradition, die sich später zur Halloween-Kürbislaterne weiterentwickelte.

Kerzentypen und rituelle Formen

Es gibt zahlreiche Kerzentypen, sowohl hinsichtlich ihrer Form als auch ihrer Funktion, und jede einzelne hat im Laufe der Zeit ihren Platz in den europäischen magischen oder spirituellen Praktiken gefunden. Hier sind die wichtigsten Kategorien und ihre traditionelle Verwendung:

  • Altarkerze und klassische Kerze: Die Altarkerze ist eine lange, ungefärbte Bienenwachskerze (weiß oder elfenbeinfarben), die traditionell in Kirchen verwendet wird. Ihre langsame Verbrennung und ihre klare Flamme machen sie zum Sinnbild des ununterbrochenen Gebets. Außerhalb der Kirche sind klassische Kerzen jene, die früher zur Beleuchtung der Häuser verwendet wurden. In der Volksmagie konnte eine neue Kerze eine Person darstellen oder als neutrales Mittel für jede Art von Zauber dienen. Mittelalterliche Grimoires schrieben häufig vor, „reines Wachs“ (das heißt neue Kerzen aus reinem Bienenwachs) zu verwenden, um die Reinheit des Rituals zu gewährleisten.

  • Votivkerzen und Teelichter: Das sind kleine Kerzen, die sich in einem Glas oder Behälter befinden. In der katholischen Tradition zündet man sie für einen Heiligen oder für die Verstorbenen an (daher der Name „Wachlicht“, da es symbolisch über die Seele wacht). In der Esoterik werden Votivkerzen für kurzfristige Rituale oder zur Widmung an eine bestimmte Absicht geschätzt. Sie brennen in der Regel einige Stunden.

  • Neun-Tage-Kerzen: Diese Kerzen sind größer als Teelichter und werden in ein großes, gefärbtes oder mit dem Bild eines Heiligen verziertes Glas gegossen. Sie werden so hergestellt, dass sie etwa neun Tage lang ununterbrochen brennen. Sie sind im volkstümlichen katholischen Glauben (Novenen zu den Heiligen, Gebete zur Jungfrau Maria usw.) weit verbreitet und wurden auch in der zeitgenössischen Magie übernommen. Ihre lange Brenndauer macht sie zu einem idealen Träger für Anliegen, die Ausdauer erfordern. Aus der christlichen Frömmigkeit hervorgegangen, ist die Neun-Tage-Kerze so zu einem vielseitig einsetzbaren magischen Werkzeug geworden, das sowohl von Gläubigen als auch von Praktizierenden der Hexerei verwendet wird, die sie über längere Zeit mit schützenden oder heilenden Absichten aufladen.

  • Rituelle Kerzen mit durchgefärbtem Wachs: Es ist leicht geworden, Wachs zu färben und Kerzen in allen Farben herzustellen. Dadurch entwickelte sich eine Kerzenmagie, die auf Farbanalogien beruht. Historisch mussten Magier oder Hexen improvisieren: Sie konnten beispielsweise eine Kerze oberflächlich färben (mit Naturfarbe oder indem sie sie mit einem Stoff der gewünschten Farbe umwickelten), um die Symbolik der Farben in ihre Zauber einzubeziehen.

  • Figürliche Kerzen (Dagydes): In der traditionellen Magie verwendet man manchmal Kerzen mit einer besonderen Form, um die Verbindung zum Ziel oder zur Absicht zu stärken. Eine Dagyde ist ein magisches Abbild, das eine Person darstellt – sie kann aus Wachs bestehen. Dabei wird eine kleine menschliche Figur aus Wachs hergestellt und wie eine Kerze angezündet, um auf die betreffende Person einzuwirken (dieses Verfahren ähnelt der berühmten Voodoo-Puppe, nur dass das Abbild hier vom Feuer verzehrt wird). Berichte aus Hexenprozessen erwähnen Hexen, die Wachsabbilder ihrer Opfer formten, um sie zu verfluchen, indem sie diese langsam schmelzen ließen. Diese figürlichen Kerzen bündeln das Symbol und ermöglichen eine sehr direkte sympathetische Magie: Was mit der Figur geschieht (schmelzen, brennen, mit Nadeln stechen …), erreicht durch Nachahmung auch das reale Ziel.

  • Kerzen mit Abschnitten oder mehreren Dochten: Einige Traditionen verwenden besondere Kerzen wie die Siebenknotige Kerze (eine lange, knotige Kerze, die in sieben Segmente unterteilt ist) oder die Kerze mit mehreren Dochten. Bei der Siebenknotigen Kerze, die insbesondere in afrokaribischen und südamerikanischen Praktiken (Voodoo, Santería, Hoodoo) verbreitet ist, wird ein Knoten pro Tag abgebrannt und die Verbrennung von bestimmten Gebeten begleitet – sie ist eine zahlenbezogene Variante der Novene, wobei die Zahl 7 als magisch gilt.

Kerzenfarben und ihre symbolischen Entsprechungen

Einer der bekanntesten Aspekte der Kerzenmagie ist die Zuordnung von Bedeutungen zu den Farben. Jede Farbe strahlt eine besondere Schwingung aus und wird mit bestimmten Energien, Emotionen oder Lebensbereichen verbunden. Bereits im späten Mittelalter verwendeten europäische Hexen und Heiler symbolische Farbelemente – in einigen Rezepten finden sich Hinweise auf weiße oder schwarze Kerzen, je nach Ziel: die weiße für wohlbringende Rituale, die schwarze für Beschwörungen oder Verbannungen. Allgemeiner betrachtet wurde die Farbsymbolik ganz selbstverständlich auf Kerzen übertragen, sobald die Technik es ermöglichte, sie einzufärben.

Hier sind die großen Farbfamilien und ihre allgemein anerkannten Entsprechungen in der magischen Kerzenpraxis (insbesondere in Europa):

Weiß Farbe der Reinheit, des Heiligen und des spirituellen Lichts. Eine weiße Kerze dient jedem Ritual der Reinigung, des Friedens, der spirituellen Erhebung oder des Gebets. Sie ist außerdem eine neutrale und vielseitige Farbe: Eine weiße Kerze kann jede andere ersetzen, wenn diese nicht zur Verfügung steht, da sie das gesamte Farbspektrum in sich trägt. Traditionell wird sie entzündet, um göttlichen Schutz, Aufrichtigkeit und Wahrheit anzurufen. (In der Kirche sind alle Altarkerzen weiß oder elfenbeinfarben, um Christus zu symbolisieren.)
Schwarz Entgegen einer weit verbreiteten Vorstellung ist Schwarz in der Magie nicht immer „böse“, sondern wird mit dem Mysterium, der Absorption und der Verbannung von Energien in Verbindung gebracht. Eine schwarze Kerze dient dazu, Negativität zu vertreiben, einen Fluch zu brechen (daher ihre Verwendung bei der Entzauberung) oder sich mit dem eigenen Schatten zu beschäftigen (die eigenen Ängste und Blockaden zu erforschen). In manchen Traditionen kann sie auch die Kommunikation mit dem Jenseits oder mit Geistern erleichtern (da Schwarz den nächtlichen Schleier zwischen den Welten darstellt).
Rouge Couleur du sang, du feu, de la vie – c’est la teinte de la passion et de la force vitale. La bougie rouge est toute indiquée pour les travaux liés à l’amour charnel, à la sexualité, à la fertilité, ou simplement pour insuffler courage et énergie. Dans la magie occidentale, le rouge symbolise aussi la victoire, le triomphe (on parle de magie rouge pour les rituels d’amour ou de domination passionnelle). Attention, le rouge étant très puissant, il est utilisé pour stimuler et non pour calmer : on ne la choisira pas pour un rituel de paix ou de guérison douce. Sur le plan historique, le rouge vif était une couleur coûteuse – on réservait son usage aux choses importantes, d’où sa forte association symbolique à la puissance et à l’amour ardent.
Rose Variante plus tendre du rouge, le rose est lié à l’amour romantique et affectueux, à la douceur, à l’amitié, à la réconciliation. Une bougie rose sert à attirer une relation harmonieuse, à favoriser la tendresse dans un couple, ou à travailler sur l’estime de soi et l’amour universel. Traditionnellement, le rose évoque aussi la féminité (dans son aspect aimant et protecteur). On l’utilise souvent dans les prières ou sorts pour adoucir une situation conflictuelle ou pour guérir des blessures émotionnelles.
Bleu Couleur du ciel et de l’eau, le bleu est associé à la sérénité, la guérison et la vérité. Les bougies bleues (surtout le bleu clair) sont allumées pour favoriser la paix intérieure, la méditation, la guérison physique ou émotionnelle, et la protection tranquille. Un bleu profond peut aussi servir dans les affaires juridiques ou administratives, symbolisant la justice et la sincérité.
Vert Symbol der Natur, des Wachstums und des Überflusses. Eine grüne Kerze ist das bevorzugte Hilfsmittel für Rituale des finanziellen Wohlstands, des materiellen Erfolgs oder der Fruchtbarkeit (Wachstum der Ernten, gewünschte Schwangerschaft). Man verwendet sie, um Geld anzuziehen, die Karriere voranzubringen oder die Heilung des Körpers zu fördern (in der Farbmagi...
Gelb / Gold Sonnenfarben par excellence. Gelb und Gold symbolisieren Erfolg, Ruhm und geistige Kreativität. Eine leuchtend gelbe Kerze dient dazu, den Verstand, die Kommunikation und die Lebensfreude anzuregen. Man wählt sie für Arbeiten im Zusammenhang mit Prüfungserfolg, dem Erhalt einer Arbeitsstelle – Gelb wird mit dem beruflichen Bereich und Merkur, dem Planeten der Intelligenz und des Handels, verbunden – oder einfach, um Glück anzuziehen. Goldene Kerzen sind auf spiritueller Ebene noch kraftvoller: Sie stehen für göttlichen Segen, Reichtum und Erleuchtung. In bestimmten esoterischen Praktiken ist Gold die Farbe der Verbindung mit dem Göttlichen, in Anlehnung an die Sonne als Quelle des Lebens. Eine goldene Kerze anzuzünden bedeutet gewissermaßen, „alle Chancen auf seine Seite zu bringen“ und die himmlischen Kräfte anzurufen, damit sie unser Anliegen unterstützen.
Grau / Silber Grau ist eine Farbe der Neutralität und des Übergangs. Eine graue Kerze kann für Rituale der maßvollen Verbannung oder der Ruhe nach dem Sturm dienen. Man sagt, sie helfe dabei, das Böse ohne Aggressivität zu vertreiben und negative Energien sanft zu neutralisieren. Silber hingegen wird mit dem Mond in Verbindung gebracht: Eine silberne Kerze wird für Hellsehen, psychische Intuition, Traumarbeit oder zur Unterstützung von Gebeten verwendet. Sie gilt als „empfangende“ Farbe, die an Geister gerichtete Bitten verstärkt. In bestimmten Ritualen wird eine silberne Kerze zusätzlich zu anderen Kerzen angezündet, um die Erfüllung des Wunsches im spirituellen Bereich zu beschleunigen.
Violett / Purpur Diese einst königlichen und heiligen Farbtöne stehen für Spiritualität, Weisheit und psychische Kraft. Eine violette Kerze fördert tiefe Meditation, karmische Heilung und die Verbindung zu höheren Ebenen. Man verwendet sie, um intuitive Fähigkeiten zu entwickeln, spirituelle Führer um Rat zu bitten oder die Autorität über sich selbst oder eine Situation zu stärken. Violett vereint das Feuer des Roten mit der Spiritualität des Blauen und wird daher häufig für alles empfohlen, was die Transmutation einer negativen Situation in eine positive Erfahrung betrifft. Da Violett historisch die liturgische Farbe der Buße und des Mysteriums ist und in der Kirche während der Advents- und Fastenzeit verwendet wird, besitzt seine magische Anwendung eine Bedeutung von Ernsthaftigkeit und Tiefe.
Braun Als Farbe der rohen Erde wird Braun mit Stabilität, dem Schutz von Heim und materiellen Gütern in Verbindung gebracht. Das Anzünden einer braunen Kerze kann dabei helfen, verlorene Gegenstände wiederzufinden (in manchen ländlichen Gegenden gibt es die Tradition, dass Braun die Absicht „verwurzelt“ und das Fehlende zu einem zurückkehren lässt). Man verwendet sie auch für Haustiere und das Zuhause: Sie ist eine Farbe der Erdung und der Verbindung mit der nährenden Erde. In manchen Zauberbüchern diente eine braune Kerze für Zauber, die auf die Lösung häuslicher oder grundbesitzbezogener Probleme abzielten (Grundstücksverkäufe, Fruchtbarkeit des Viehs usw.) – für alles, was das konkrete Erbe und Eigentum betrifft.

Natürlich gibt es zahlreiche Variationen (manche Praktizierende unterscheiden zwischen Hellblau und Königsblau, Rot und Bordeauxrot usw.). Die oben genannten Zuordnungen decken jedoch die großen anerkannten symbolischen Bereiche ab. Es ist zu beachten, dass diese Farbzuordnungen zwar weit verbreitet, aber nicht dogmatisch sind: Je nach lokalen oder persönlichen Traditionen kann es Unterschiede geben.

Rituelle Vorbereitung von Kerzen: Salben, Gravuren und Weihe

Eine Kerze ist im magischen Kontext kein bloßes lebloses Objekt: Man geht davon aus, dass sie vor dem Anzünden vorbereitet und geweiht werden sollte, um sie mit Energie aufzuladen und mit der verfolgten Absicht zu verbinden. Sowohl alte Zauberbücher als auch moderne Praktiken betonen diese Vorbereitungszeit, die die Wirksamkeit des Rituals vervielfacht.

Die anfängliche Reinigung

Traditionell verwendet man für ein bestimmtes Ritual immer eine neue Kerze, damit keine früheren Einflüsse störend einwirken. Bevor man sie bearbeitet, kann man sie symbolisch reinigen – indem man sie durch den Rauch eines Reinigungsräucherwerks führt (Pontifikalräucherwerk, Salbei, Benzoe usw.) oder sie mit etwas Weihwasser besprengt. Dadurch wird jegliche verbleibende Energie „gelöscht“ und erklärt, dass diese Kerze fortan einem heiligen Zweck dienen wird.

Das Salben (oder „Herrichten“ der Kerze)

Beim Salben wird die Kerze mit geweihtem Öl oder einem Öl bestrichen, das zur jeweiligen Absicht passt. Diese Handlung hat einen hohen symbolischen Wert: Salben bedeutet, einen Gegenstand zu segnen und mit Energie aufzuladen, wie man es bei einer Person tun würde (man denke an die Salbung von Königen oder Priestern). In der Kerzenmagie verwendet man Salböle, die aus Mischungen ätherischer Öle, mazerierter Pflanzen usw. bestehen und Eigenschaften besitzen, die dem Ritual entsprechen. Für die richtige Durchführung müssen Sie die Kerze entsprechend der Absicht in einer bestimmten Richtung mit dem Öl einreiben:

  • Wenn man etwas anziehen möchte (Liebe, Wohlstand, Erfolg, ...), salbt man die Kerze von oben nach unten. Das bedeutet, dass man an der Spitze der Kerze (auf der Seite des Dochtes) beginnt und zur Basis hinabgeht – so, als würde man die Segnungen auf sich „herabziehen“ oder den formulierten Wunsch auf der Erde verwirklichen.

  • Wenn man einen Einfluss (Krankheit, Pech, eine negative Entität, ...) bannen oder fernhalten möchte, macht man es umgekehrt: Man bestreicht die Kerze von unten nach oben, von der Basis zum Docht, um das Böse nach außen, nach oben und aus unserer Sphäre hinauszudrängen.

Konkret kann man einen Tropfen Öl in die Handfläche oder auf die Finger geben und die Kerze in der erforderlichen Richtung massieren. Manche empfehlen, zum Salben vom Mittelpunkt aus nach oben die rechte Hand und vom Mittelpunkt aus nach unten die linke Hand zu verwenden, um die gesamte Oberfläche gründlich zu imprägnieren. Entscheidend ist, sich dabei vorzustellen, dass man die Kerze mit der eigenen Energie und der gewünschten Absicht „füllt“. Die Salbung dient dazu, die Kerze einem bestimmten Zweck zu weihen.

Gravuren und Inschriften

Häufig werden vor dem Anzünden Symbole, Sigillen, Wörter oder Zahlen in das Wachs der Kerze geritzt. Auch hier geht es darum, die Energie zu personalisieren und zu bündeln. Man kann eine Spitze (Ahle, Nadel, Athame, ...) verwenden, um den Namen einer Person in die Kerze zu schreiben (nützlich, wenn die Kerze im Ritual jemanden darstellt) oder um Symbole zu zeichnen (Pantakel, Pentagramme, Kreuze, Tierkreiszeichen, magische Sigillen). In den Hoodoo- und Voodoo-Traditionen ritzt man die Bitte oder den Wunsch direkt ein.

In bestimmten europäischen Praktiken schreibt man die Bitte auf ein kleines Stück Pergamentpapier, das anschließend auf die Kerze geklebt oder in das Wachs gesteckt wird. Eine traditionelle Methode besteht darin, – sofern die Kerze breit genug ist oder man sie selbst herstellt – das Wachsblatt (bei Kerzen aus gerolltem Wachs) abzurollen und den Wunsch vor dem erneuten Aufrollen auf die Innenseite zu schreiben. Dadurch wird die Absicht symbolisch im Inneren der Kerze „verborgen“; beim Abbrennen setzt die Kerze diese Absicht im Universum frei.

Laden und Weihen

Sobald die Kerze gesalbt und graviert wurde, ist sie bereit, aufgeladen zu werden. Das Aufladen besteht darin, ihr Ihre geistige und spirituelle Energie einzuhauchen. Am einfachsten hält man die Kerze zwischen beiden Händen, schließt die Augen und konzentriert sich intensiv auf das Ziel. In manchen Traditionen segnet man die Kerze mit den vier Elementen: Man führt sie durch Räucherwerk (Luft), lässt gesegnetes Wasser darauf tropfen (Wasser), führt sie durch die Flamme einer anderen geweihten Kerze oder berührt sie mit einer glühenden Kohle (Feuer), und reibt sie mit Salz ein oder berührt sie mit Erde (Erde). Diese Weihezeremonien unterscheiden sich, wichtig ist, die Kerze nicht mehr als einfache dekorative Kerze, sondern als ein eigens geweihtes magisches Instrument zu betrachten.

Das rituelle Anzünden

Auch die Art, die Kerze anzuzünden, ist wichtig. Traditionell verwendet man aus Respekt vor dem Element Feuer Holzstreichhölzer statt eines modernen Feuerzeugs (der Schwefel des Streichholzes trägt ebenfalls ein wenig zur Reinigung bei). Man kann auch eine Pilotkerze (eine Stumpenkerze) anzünden und damit die anderen Ritualkerzen entzünden, anstatt mehrere Streichhölzer anzuzünden.

Je nach Situation zündet man die Kerzen manchmal in einer bestimmten Reihenfolge an (insbesondere bei Ritualen, bei denen mehrere Kerzen in verschiedenen Farben entsprechend den Himmelsrichtungen oder den Elementen aufgestellt werden). Es ist wichtig, konzentriert zu bleiben und das Feuer zu respektieren: In manchen Traditionen wird die Flamme als Manifestation eines Feuergeistes betrachtet (eines Salamanders oder des Heiligen Geistes in der christlichen Vorstellung). Daher vermeidet man es, sie durch abrupte oder respektlose Gesten zu „entweihen“.

Das Löschen

Eine goldene Regel der Kerzenmagie: Eine Ritualkerze niemals ausblasen. Das Ausblasen mit dem Mund wird nämlich als Respektlosigkeit gegenüber dem Element Feuer interpretiert und vor allem als Gefahr, die gerade ausgesendete magische Energie zu zerstreuen. Die Kerze mit einem Atemstoß zu löschen, könnte den Geist „vertreiben“ oder die vollbrachte Arbeit zunichtemachen. Daher verwendet man vorzugsweise einen Kerzenlöscher (einen kleinen Kegel an einem Stiel), um die Flamme abzudecken, bis sie mangels Sauerstoff erlischt, oder man drückt den Docht zwischen zwei feuchten Fingern aus, um ihn zu sterilisieren. In vielen Ritualen wird außerdem empfohlen, die Kerze vollständig abbrennen zu lassen, anstatt sie zu löschen, insbesondere wenn es sich um eine kleine Kerze handelt. Die Kerze bis zum Ende brennen zu lassen bedeutet, dass die Arbeit vollendet und die Opfergabe vollständig den angerufenen Kräften dargebracht wurde. Wenn die Kerze gelöscht werden muss (aus Sicherheitsgründen oder weil sie lange brennt), tut man dies also ohne zu pusten.

Die Flamme deuten oder Kerzenpyromantie

Unter den mit Kerzen verbundenen Wahrsagekünsten nimmt die Deutung der Flamme einen besonderen Platz ein. Bereits in der Antike praktizierte man die Lychnomantie (Wahrsagung anhand der Flamme einer Öllampe). Mit Kerzen wurde diese Praxis für alle zugänglich und weitergegeben. Das Beobachten des Verhaltens einer Kerzenflamme während eines Rituals oder Gebets kann Hinweise auf die vorhandenen Einflüsse und den möglichen Erfolg des Vorhabens liefern. Hier sind einige verbreitete traditionelle Deutungen in der Kerzenpyromantie:

Stabile und klare Flamme Wenn die Flamme gerade brennt, ohne zu flackern oder zu rußen, ist das im Allgemeinen ein gutes Zeichen. Es wird als Bestätigung der Absicht gedeutet. Der Weg ist frei, die Energie fließt gut. In der Sprache einer Hexe: Ihre Absicht ist im Einklang, die Energie reagiert positiv. Eine stabile Flamme bedeutet oft, dass die angerufene Präsenz (Engel, Heiliger, Geist) wohlwollend ist und das Gebet erhört.
Ständig flackernde oder tanzende Flamme Eine Flamme, die sich in alle Richtungen bewegt, obwohl kein nennenswerter Luftzug vorhanden ist, deutet auf Unruhe auf der unsichtbaren Ebene hin. Man sagt, dass möglicherweise ein Wesen (Geist, Verstorbener, ...) anwesend ist und auf den Ruf reagiert. Je nach Kontext kann dies auf zwei Arten interpretiert werden: Entweder hilft der Geist und zeigt sich durch die tanzende Flamme, oder es besteht eine Instabilität im Anliegen (widersprüchliche Gefühle oder energetische Hindernisse). In jedem Fall deutet eine sehr bewegliche Flamme darauf hin, dass jenseits des Sichtbaren „etwas“ geschieht.
Nur gelegentlich flackernde Flamme Wenn die Kerze ruhig brennt, die Flamme aber gelegentlich zu zittern oder sich stark zu neigen beginnt, beobachtet man den genauen Zeitpunkt, denn dies ist wahrscheinlich eine punktuelle Botschaft.
Hohe, lebhafte Flamme, die größer wird Wenn die Flamme deutlich höher ist als beim Anzünden und intensiver zu werden scheint, gilt dies als sehr günstiges Zeichen für eine starke magische Präsenz. Das bedeutet, dass die angerufene Energie tatsächlich da ist und unterstützt das Ritual kraftvoll – Ihr Anliegen hat große Chancen, schnell erfüllt zu werden, getragen von dieser kräftigen Flamme (man sagt manchmal, die Flamme „frisst“ die Hindernisse gierig auf).
Schwache Flamme oder kleiner glimmender Punkt Wenn die Flamme hingegen sehr klein ist, nur schwer Fuß fasst oder zu einer Glut am Docht zusammenschrumpft, ohne wirklich aufzusteigen, ist der Zeitpunkt nicht günstig. Die Antwort könnte negativ ausfallen oder sich verzögern. In diesem Fall wird empfohlen, die Kerze (respektvoll) zu löschen und das Ritual zu einem anderen Zeitpunkt zu wiederholen, denn eine schwache Flamme weist entweder auf einen Energiemangel hin (Sie sind nicht ausreichend konzentriert oder die Umgebung ist ungünstig) oder auf eine ablehnende Antwort der angerufenen Kräfte.
Flamme, die flackert und Geräusche macht (spritzend, knisternd) Eine knisternde Flamme, die kleine Geräusche macht, deutet auf Widerstand hin. Der Überlieferung zufolge bringt sie „Interferenzen“ oder unkontrollierte intensive Emotionen zum Ausdruck. Wenn Sie ein Schutzritual durchführen und die Flamme stark knistert, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass eine negative Energie versucht, sich zu widersetzen, oder dass die zu schützende Person von zahlreichen Störungen umgeben ist. Das ist nicht unbedingt schlecht, zeigt aber, dass die Arbeit gerade eine aktive Reinigung durchläuft.
Übermäßige Rauchentwicklung Wenn die Kerze zu Beginn stark raucht (schwarzer Rauch, der vom Docht aufsteigt), kann dies bedeuten, dass negative Energien gerade vertrieben werden – der schwarze Rauch verkörpert das sich auflösende Übel. Wenn die Kerze hingegen mitten im Ritual ohne ersichtlichen Grund zu rauchen beginnt, wird dies manchmal als Botschaft gedeutet.
Kerze, die von selbst erlischt Dies ist zweifellos das deutlichste Zeichen. Wenn die Kerze trotz aller Vorsichtsmaßnahmen (keine Zugluft, Docht mit der richtigen Länge) erlischt, bevor sie vollständig abgebrannt ist, deutet dies darauf hin, dass das Ritual abrupt endet. Es gibt zwei hauptsächliche Deutungen: Entweder wurde „die Botschaft von den angerufenen Kräften gut empfangen“, und die Kerze erlischt deshalb, weil es nicht mehr nötig ist, sie weiter brennen zu lassen (ein günstiger Fall), oder die magische Handlung ist im Gegenteil blockiert oder abgelehnt worden, und die erlöschende Flamme symbolisiert einen Misserfolg oder eine Zurückweisung. Um herauszufinden, welcher Deutung man zuneigt, sollte man sich auf seine Intuition und den Kontext verlassen.


Natürlich ist die Deutung der Flamme eine subtile Kunst. Es geht nicht darum, bei jedem noch so kleinen Flackern in übertriebene Aberglauben zu verfallen. Vielmehr handelt es sich um eine symbolische Lesart, um einen Dialog mit dem Unsichtbaren. Viele physische Faktoren (Qualität des Dochts, Zugluft, Zusammensetzung des Wachses) können die Flamme beeinflussen, daher ist Urteilsvermögen gefragt.

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