Basile Valentin ist eine emblematische Gestalt der Alchemie, die traditionell als Benediktinermönch des 15. Jahrhunderts dargestellt wird, der später zum Alchemisten wurde. Sein Name wird mit mehreren Abhandlungen in Verbindung gebracht, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts veröffentlicht wurden, darunter Die zwölf Schlüssel der Philosophie und Der Triumphwagen des Antimons, die in ganz Europa großen Erfolg hatten. Die tatsächliche Existenz dieser Person bleibt jedoch von einer gewissen geheimnisvollen Aura umgeben, während seine Schriften die Entwicklung der entstehenden Chemie stark beeinflussten.
Legendäre Ursprünge und ungewisse Identität
Über das Leben von Basile Valentin gibt es nur sehr wenige überprüfbare Informationen. Der Überlieferung zufolge wurde er um 1394 geboren und trat um 1413 im Kloster St. Peter in Erfurt, Deutschland, in den Benediktinerorden ein; dokumentarische Belege dafür gibt es jedoch nicht. Tatsächlich ist seine historische Existenz höchst ungewiss: In den Klosterarchiven Deutschlands wird kein Mönch dieses Namens erwähnt. Historiker betrachten Basile Valentin als wahrscheinlich fiktive Figur, als Pseudonym, das von einem oder mehreren deutschen Autoren des späten 16. Jahrhunderts verwendet wurde. Bereits im 18. Jahrhundert vermuteten Forscher, dass der tatsächliche Verfasser der Basile Valentin zugeschriebenen Werke Johann Thölde gewesen sei, ein deutscher Salzunternehmer, der von 1565 bis 1624 lebte. Moderne Forschungen bestätigen, dass zumindest ein Teil der Schriften von Basile Valentin tatsächlich von Johann Thölde stammt, lassen jedoch vermuten, dass weitere anonyme Autoren zu diesem gemeinschaftlichen Werk beigetragen haben könnten. Johann Thölde war zudem der erste Herausgeber der unter dem Namen Basile Valentin veröffentlichten Abhandlungen und unterzeichnete selbst fünf davon bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Der wahre Basile Valentin bleibt somit eine geheimnisvolle, möglicherweise rein legendäre Figur, hinter der sich die Identität späterer Autoren verbarg.
Wissenschaftliche Arbeiten und chemische Entdeckungen
Unabhängig davon, welcher Autor sich hinter dem Namen Basile Valentin verbarg, offenbaren die ihm zugeschriebenen Schriften eine tiefgehende Kenntnis der damaligen Chemie. Sie enthalten Beschreibungen innovativer Verfahren und präziser experimenteller Beobachtungen. Basile Valentin erklärt, wie man Ammoniak durch Erhitzen von Salmiak (Ammoniumchlorid) in Gegenwart von Alkalien gewinnt und wie sich durch eine Reaktion zwischen Meersalz (Natriumchlorid) und „Vitriolöl“ (Schwefelsäure) Salzsäure herstellen lässt. Ebenso beschreibt er ausführlich die Herstellung konzentrierter Schwefelsäure selbst, die damals Vitriolöl genannt wurde, durch Destillation von Sulfatgemischen. Seine Versuche umfassen auch die Metallchemie: Basile Valentin hebt die Eigenschaften des Antimons und seiner Verbindungen hervor. In Der Triumphwagen des Antimons preist er die medizinischen Vorzüge von Antimonsulfid (Stibnit) und stellt sie den Behandlungsmethoden der klassischen, auf Galen zurückgehenden Medizin gegenüber. Aufgrund dieser umfassenden Beiträge bezeichneten manche Autoren Basile Valentin als „Vorläufer“ – ja sogar als Vater der modernen Chemie –, da er mit seinen Entdeckungen und seinem experimentellen Ansatz die Entwicklung der entstehenden chemischen Wissenschaft maßgeblich prägte. Ein später entdecktes Mineral, Valentinit (Antimon(III)-oxid Sb₂O₃), wurde im 19. Jahrhundert zu seinen Ehren benannt.
Wichtigste zugeschriebene alchemistische Abhandlungen
Mehrere einflussreiche alchemistische Abhandlungen des 17. und 18. Jahrhunderts wurden unter dem Namen Basile Valentin veröffentlicht und bilden ein legendäres Korpus der hermetischen Literatur. Die bekannteste darunter ist Die zwölf Schlüssel der Philosophie, ein allegorischer Text, der die Schritte der alchemistischen Transmutation in symbolischer Form darstellen soll. Das Werk soll ursprünglich um 1600 auf Deutsch erschienen sein und wurde vielfach neu aufgelegt und übersetzt. 1618 veröffentlichte der Alchemist Michael Maier eine lateinische Fassung, die in die Sammlung Tripus Aureus aufgenommen wurde und durch bemerkenswerte symbolische Kupferstiche ergänzt war, die jeden „Schlüssel“ des Mysteriums begleiteten. Ein weiterer bedeutender Text ist Der Triumphwagen des Antimons (Triumphwagen des Antimonii), der 1604 in Leipzig veröffentlicht wurde. Unter diesem aussagekräftigen Titel legt Basile Valentin die Eigenschaften und therapeutischen Anwendungen des Antimons dar und ergreift Partei für die „spagyrische“ Medizin (die alchemistische Medizin der Tradition von Paracelsus) gegenüber der scholastischen Medizin seiner Zeit. Zu den weiteren bemerkenswerten Werken zählen Azoth oder das Mittel, das verborgene Gold der Philosophen zu machen (veröffentlicht 1624) und Das letzte Testament (um 1651). In Azoth behandelt Basile Valentin das philosophische Quecksilber und die alchemistischen Prinzipien der Transmutation, während Das letzte Testament das Geheimnis von „VITRIOL“ auf verschleierte Weise enthüllt, einem esoterischen Akronym für die Formel des Steins der Weisen. Selbst nach der Veröffentlichung dieser Hauptwerke erschienen bis zum Ende des 17. Jahrhunderts weiterhin neue alchemistische Texte unter dem Namen Basile Valentin – ein Zeichen dafür, welch immenses Ansehen dieses Pseudonym damals im hermetischen Umfeld genoss.
Einfluss und Nachwirkung
Die Basile Valentin zugeschriebenen Schriften übten einen bedeutenden Einfluss auf die Alchemie und die Proto-Chemie der folgenden Jahrhunderte aus. Dank Johann Thölde und anderer Herausgeber wurden diese Abhandlungen in der gelehrten Welt Europas weit verbreitet. Bereits im 17. Jahrhundert wurden sie ins Lateinische und anschließend in die wichtigsten Volkssprachen (Französisch, Englisch, Russisch, ...) übersetzt, was zu ihrem internationalen Ruhm beitrug. Insbesondere Der Triumphwagen des Antimons war bereits ab 1661 auf Englisch verfügbar und ermöglichte es englischen Gelehrten und Apothekern, von den darin enthaltenen Kenntnissen zu profitieren. Diese Werke, die empirisches Wissen aus der entstehenden Chemie mit alchemistischer Symbolik verbanden, schlugen eine Brücke zwischen der mittelalterlichen Tradition und den wissenschaftlichen Fortschritten der Neuzeit. Auch heute erkennen Wissenschaftshistoriker die Bedeutung dieses Korpus an: Es zeugt von der Übergangsphase, in der sich die operative Alchemie allmählich in wissenschaftliche Chemie zu verwandeln begann. Der Name Basile Valentin bleibt daher mit dem Übergang zwischen zwei Weltanschauungen verbunden. Als Zeugnis dieser Nachwirkung kursiert seit dem 19. Jahrhundert eine berühmte Anekdote über ihn: Man erzählt, der Mönch Basile Valentin habe die nährenden Eigenschaften des Antimons entdeckt, indem er dieses Mineral Schweinen verabreichte, um sie zu mästen, und anschließend versucht, auch die Mönche seines Klosters davon profitieren zu lassen – leider sollen diese dabei allesamt gestorben sein, weshalb das Antimon seither den Beinamen „Anti-Mönch“ trage. Obwohl diese Geschichte apokryph ist und humorvoll erzählt wird, veranschaulicht sie den sowohl wörtlich als auch übertragenen zweifelhaften Ruf des Antimons in der Geschichte und trägt zum halb legendären Charakter bei, der Basile Valentin umgibt.



















